Baikalsee 4 – 13.6.2012 (von Michael Schaad)

 

Montag, 4. Juni 2012

Treffpunkt für die erste Reise von Liberty Bird nach Zentralsibirien war am Montagmorgen um halb zwölf Uhr beim Gate D43 im Flughafen Zürich. Nach einer kurzen Begrüssung durch den Reiseleiter Michael Schaad blieb den Teilnehmenden Zeit, sich kennenzulernen oder sich bei einem Wiedersehen auf den neuesten Stand zu bringen. Da unser Flugzeug aus Paris bereits ordentlich Verspätung hatte, verspätete sich auch unser Abflug leicht. Nach dem rund 31⁄2-stündlichen Flug begrüsste uns Russland eher hart als herzlich, meist in Person einer offensichtlich gelangweilten Zollbeamtin. Dann begann das Abenteuer: Zwar liess sich das Check-In schnell orten, aber ebenso schnell wurde klar, dass wir das Flugzeug nur erwischen würden, wenn wir uns wie die Einheimischen verhielten. So begannen wir ebenfalls freundlich aber bestimmt zu drängeln und abzublocken. Nur so gelang es uns schliesslich auch, für jeden von uns eine Bordkarte für den Flug nach Sibirien zu erwischen. Nach passierter Sicherheitskontrolle stellte sich erstmals so etwas wie eine entspannte Ferienstimmung ein: Während die Einen buchstäblich abwarteten und T ee tranken, bestaunten die anderen die zartgrüne Farbe der Air-Siberia Flugzeuge. Hier verlief das Boarding zügig und das Flugzeug hob pünktlich in Moskau ab. Obschon es an unserem Zielort in Irkutsk zu diesem Zeitpunkt bereits Viertel vor Drei in der Nacht war, liess es sich die Crew nicht nehmen, uns ein deftiges Abendessen zu servieren. An Schlaf war danach kaum mehr zu denken, und so dämmerten die meisten von uns bis in die frühen Morgenstunden.

Dienstag, 5. Juni 2012

Nach einer eher ruckigen Landung im verregneten Irkutsk trafen wir Viktor Salovarov, unseren lokalen Spezialisten. Nach gutem Einreden auf eine Zollbeamtin konnte auch das letzte Gruppenmitglied den Flughafen mit uns verlassen. Ein Bus brachte uns ins Zentrum von Irkutsk, wo wir im noblen Hotel „Empire“ unsere Zimmer bezogen, bevor wir uns bei einem ungewöhnlichen aber schmackhaften Frühstück stärkten. Später verliessen wir das Hotel mit unserem Bus Richtung Novo Leninsky, ein Feuchtgebiet in der Nähe der Mündung des Irkut in die Angara. Während ein erster Standort nicht viel hergab, waren an einem

Zweiten bereits deutlich mehr Vogelarten zu beobachten. Bereits ein kurzer Überblick verschaffte uns Sichtungen zahlreicher Enten, Schwarzhalstaucher, Lachmöwen und Flussseeschwalben. Erst bei näherem Hinschauen entdeckten wir Zitronenstelze, Pallasschwarzkehlchen und durchfliegende Spornpieper. Und plötzlich erreichte uns auch der Gesang der Weidenammer, die wir danach eingehend bestaunten. Ein kurzer Spaziergang brachte uns dann noch weitere Arten, darunter die Weissflügel-

Seeschwalbe. Nach kurzer Weiterfahrt bogen wir in einen Feldweg ab und hielten an einer kleinen Ausweichstelle, wo unser Fahrer sofort begann, Tische und Stühle aufzustellen und den Lunch vorzubereiten. Wir nutzten die Zeit, um weitere Arten zu
beobachten, darunter ein sich schön zeigendes Blaukehlchen. Nach

dem reichhaltigen Mittagessen folgte ein Spaziergang durch das Feuchtgebiet. Bereits nach wenigen Metern trafen wir auf einen Streifenschwirl. Diesen Vogel, der sich eher wie eine Maus verhält, versuchten wir längere Zeit schön zu sehen, was sich aber als beinahe unmöglich herausstellte. Immerhin sang er charakteristisch, was seine zweifelsfreie Bestimmung erlaubte. Nach der Überquerung eines Bahndamms sahen wir einen jagenden Baumfalken und verschiedene fütternde Bachstelzen der hier heimischen Unterart baicalensis. Hinter einem zweiten Damm, über den immer wieder endlos lang scheinende Güterzüge fuhren, suchten wir in einer Feuchtwiese vergebens nach brütenden Teichwasserläufern, fanden aber einen Braunwüger – ein erstes Highlight. Nach der Rückkehr zum

 

Bus fuhren wir über mehrere Abkürzungen in eine Strasse, wo etliche alte und schön geschmückte Holzhäuser stehen. Hier wird auch ein besonders schönes Wappen Irkutsks gezeigt, das eine Mischung zwischen einem Tiger und einem Biber darstellt. Das Fabelwesen ist das Resultat eines alten Missverständnisses zwischen Irkutsk und der Verwaltung im fernen Moskau. Nach der Rückkehr ins Hotel machten wir uns frisch, und einige nutzten die Zeit, um noch ein wenig durch die Stadt zu schlendern. Gegen sieben Uhr gingen wir essen. Zwar war es in der Bar unweit des Hotels wegen einer Hochzeit eher laut, aber das Essen

schmeckte. Es gab Salat, kalte Suppe mit Dill und Wurst, danach Kartoffeln und Fleisch und anschliessend einen Strudel. Weil uns Viktor nicht begleitete, war die Kommunikation mit den Servierenden eher schwierig, was den Abenteuercharakter des Ganzen verstärkte – immerhin waren wir in Sibirien. Anschliessend kehrten wir ins Hotel zurück, um dort die Artenliste zu erstellen. Nach getaner Arbeit sanken die meisten in einen tiefen Schlaf.

Mittwoch, 6. Juni 2012

An diesem Morgen wollten wir früh unterwegs sein. Deshalb gab es bereits um halb sechs Uhr Kaffee und ein kleines Frühstück. So konnten wir bereits um sechs Uhr mit allem Gepäck Richtung Olkha losfahren. Unweit der Industrie von Shelekhov befindet sich ein kleines aber feines offenes Feuchtgebiet, wo wir das

erste Mal mit der schonungslosen Artenvielfalt Sibiriens konfrontiert wurden: Strichelschwirl, Dickschnabel-Rohrsänger, Bart- und Dunkellaubsänger sangen fröhlich durcheinander und stellten uns vor damit vor einige Herausforderungen. Bald zeigte sich ein erstes Highlight: Ein Rubinkehlchen sang im Licht der Morgensonne. Bei einer Wegkreuzung nahmen wir uns Zeit, die zahlreichen Vogelarten eingehender zu beobachten. Wunderbar gefärbte Meisengimpel neben einem Zilpzalp der sibirischen Unterart tristis (erkenntlich am abweichenden Gesang), aber auch Streifenschwirle und Klappergrasmücken. Auf dem weiteren Weg entdeckten wir zwei am Nest fütternde Lasurmeisen. Eine Waldbekassine war kurz beim Auffliegen zu erahnen, und in der Ferne sahen wir Blauelstern und eine Fichtenammer. An einem kleinen Bach hörten wir unsere erste Blaunachtigall, sahen einen Kleinspecht und beobachteten ein fütterndes Buntspechtpaar. Auf einem weiteren Wegabschnitt entdeckten wir weitere Blauelstern und Blaukehlchen sowie einige Karmingimpel. Eher unerwartet überflog uns ein Zwergadler. Ein kurzes aber schmackhaftes Mittagessen beim Bus wurde lediglich durch die immer schlechter werdende Luft aus der Nähe gelegenen Industrie im wahrsten Sinne des Wortes getrübt. Deshalb fuhren wir bald weiter nach Irkutsk, umfuhren auf abenteuerlichen Wegen einen Stau und fanden uns bald auf der Strasse Richtung Bolshoe Goloustnoe wieder. Auf halbem Weg hielten wir bei einer Brücke an und beobachteten ein Pärchen Schopfwespenbussarde und weitere Blauelstern, die hier nicht selten sind. Bereits kurze Zeit später und noch weit vor dem Pass, den wir auf dem Weg an den Baikalsee noch zu überqueren hatten, machte sich der Motor unseres Busses bemerkbar. Er überhitzte und müsste gekühlt werden. Wir liessen uns davon nicht verdriessen und beobachteten weitere Vogelarten, darunter einen Grünlaubsänger und eine Rötelammer, der wir aber nach ihrem kurzzeitigen Verschwinden zu wenig Geduld schenkten, was sich später rächen sollte. Zurück im Bus wiederholte sich nach wenigen hundert Metern das Busproblem, was uns aber einen Weissrückenspecht und einen Mäusebussard bescherte.

 

Jenseits des Passes und bereits auf der Abfahrt zum Baikalsee hielten wir ein weiteres Mal, um in einer Ebene das Grünland und die umliegenden Hänge nach Greifvögeln abzusuchen. Tatsächlich zeigten sich ein Schwarzmilan und ein Schopfwespenbussard, derweil ein Braunwürger auf einem Strommasten sass. Endlich bei Bolshoe Goloustnoe, was „grosse Nackte“ bedeutet und sich auf die weite baumlose Schwemmebene bezieht, angekommen, bezogen wir unsere Häuschen und Zimmer in einer Pension. Von hier aus machten wir uns vor dem Abendessen noch einmal auf den Weg durchs Dorf, wo wir neben Haus- und Feldsperlingen auch Steinschmätzer, Rauchschwalben der Unterarten tytleri und Steppenmöwen der Unterart mongolicus entdeckten. Am auffälligsten aber waren die vielen Elsterdohlen, die hier gemeinsam mit Klippentauben allgegenwärtig sind.

Gegen sieben Uhr gab es Abendessen mit Suppe, russischem Salat, Kartoffeln, Fleisch und einen Omelettenkuchen zum Nachtisch. Leider musste sich Jeannette krankheitshalber zurückziehen, glücklicherweise wussten wir sie aber bei Sibylle in besten Händen. Die Artenliste fiel länger aus als am Vortag, und anschliessend besprachen wir bei einem Wodka ausgiebig die weiteren Pläne.

Donnerstag, 7. Juni 2012

Auch heute starteten wir nach Kaffee und Tee um halb sechs Uhr früh, um die Taiga bei Bolshoe Goloustnoe zu besuchen. Die kurze Busfahrt führte uns im ersten Morgenlicht entlang des Baikalsees nach Süden, wo wir nach einem kurzen Spaziergang in den Wald einbogen. Auf der Suche nach den typischen Taigaarten Sibiriens durchquerten wir lichte, sonnendurchflutete und stark geschichtete Wälder. Wälder, wie sie bei uns von hunderten Vögeln bewohnt würden. Ganz anders aber hier: Manchmal sang ein Buchfink, eine Tannemeise, oder es zogen Fichtenkreuzschnäbel vorbei. Oft genug aber war es gespenstisch still. Erst nach rund zwanzig Minuten hörten wir unseren ersten Goldhähnchen-Laubsänger, unweit davon sang ein Grünlaubsänger. Nach weiteren zehn Minuten hörten wir auf einer malerischen Lichtung mit See mehrere Blaunachtigallen und zahlreiche Tannenhäher. Da ertönte am anderen Ende einer malerischen Lichtung mit See ein vielversprechender Gesang: Ein Blauschwanz! Wir schlichen uns an und suchten, doch blieb der Vogel schliesslich unentdeckt und zog sogar bald darauf von dannen. Zurück beim Bus konnten wir einen singenden Karmingimpel und mehrere Langschwanzziesel beobachten, die hier häufig sind und das Grünland so kurz halten, dass man es mit einem Golfrasen verwechseln könnte. Bei einem schnellen Absuchen des Baikalsees entdeckten wir drei runde Köpfe aus den Fluten ragen: Es waren Baikalrobben, die auf Russisch Nérpa heissen. So weit südlich hätten wir diesen mehrheitlich nördlich lebenden Baikalsee-Endemit nicht vermutet – umso grösser war unsere Freude. Getoppt wurde sie nur noch durch das ferne Durchziehen einer Höckersamtente. Nach der Rückkehr gab es Frühstück, und später zogen wir los, um die Steppe zu erkunden, die sich hier auf dem grossen Schwemmland am Baikalsee gebildet hatte. Schon bald entdeckten wir Isabellsteinschmätzer. Gleichzeitig sangen Feldlerchen, und Spornpieper sassen auf den wenigen Zäunen in der weitläufigen Ebene. Unsere intensive Suche nach dem Steppenpieper blieb leider erfolglos, ebenso wie der Nachweis einer Wiesenammer, die hier brüten soll. Umso schöner zeigten sich Fichtenammern. Ein echtes Highlight waren die Greifvögel: Neben den bis zu drei gleichzeitig jagenden Baumfalken und einem Schopfwespenbussard war insbesondere der adulte Kaiseradler bemerkenswert, der in aller Ruhe tief an uns vorbeizog. Nach der Rückkehr in die Pension verspeisten wir unser Mittagessen. Es gab überbackenen Lachs mit Reis.

Nach einer kurzen Mittagspause, welche vollkommen unterschiedlich genutzt wurde, begaben wir uns erneut in die Steppe, diesmal ans Ufer des Baikalsees. Mittlerweile hatte es aufgefrischt und es blies ein heftiger und kalter Nordostwind. Dass das nicht nur uns, sondern auch den Vögeln zuwider war, bemerkten wir bereits nach wenigen hundert Metern. Deshalb versuchten wir unser Glück landeinwärts. So spazierten wir durch die eindrückliche Ebene in dieser wunderschönen Landschaft, ohne allerdings viele Vögel beobachten zu können. Der Entscheid, schliesslich doch noch einmal Wiesenammer und Steppenpieper zu suchen, führte uns in einige abenteuerliche Situationen, bei denen es darum ging, trockenen Schuhs auf die richtige Seite einer Wasserfläche zu gelangen. Statt der ersehnten Arten, die erneut unentdeckt blieben, konnten wir einen Braunwürger und ein Pärchen der Fichtenammer beobachten, bevor uns der Bus wieder in die Unterkunft brachte. Hier erfuhren wir, dass uns unser Fahrer heute laut „Programm“ zu begrillen hätte. So erstellten wir erst die Artenliste und machten uns anschliessend über gebratene Schweinespiesse und Omul her. Dieser im Baikalsee endemische Verwandte des Felchens wurde gebraten und gesalzen gereicht. Zum Nachtisch gab es herrliche gefüllte Guetzlihälften und Wodka. Mittlerweile war auch Jeanette wieder genesen, was uns alle sehr freute. Lange noch blieben wir sitzen, und erst spät begaben wir uns zu Bett, bereit für den nächsten Tag.

Freitag, 8. Juni 2012

Nach den ersten anstrengenden Tagen wagten nur wenige einen Morgenspaziergang, wurden aber mit einem Spiegelrotschwanzpärchen belohnt. Nach dem Frühstück machten wir uns mit unserem Gepäck unverzüglich auf den Weg nach Irkutsk. Vor der Passhöhe wurden wir erneut vom Motor unseres Busses ausgebremst. Wir nutzten die Zeit, um Wald- und Baumpieper zu beobachten und die Blaunachtigall zu suchen, die wir zwar hören, jedoch nicht lokalisieren konnten. Mehrere weitere Stopps, die unter anderem zum Ziel hatten, die Rötelammer zu finden, ergaben keine nennenswerten Beobachtungen. Unserem Gepäck verlangte die Strecke nach Irkutsk hingegen einiges ab. Dort angekommen, fuhren wi zu einem Parkplatz, wo wir in den neuen Bus umstiegen, das Gepäck packten, so gut es ging und die Stadt Richtung Westen verliessen. Unterwegs hielt Juri, unser neuer Chauffeur, regelmässig an, und wir suchten Taigaarten. Wir entdeckten Grünlaubsänger und hörten Blaunachtigallen und Bartlaubsänger. In einem der Waldabschnitte fiel vor unseren Augen ein Baum um; ein Anblick, den wir uns in unseren Wirtschaftswäldern nicht mehr gewohnt sind. An einem der Stopps liessen sich unweit der Strasse ein Taigaschnäpper und eine Rötelammer vernehmen. Leider waren beide nicht sehr aktiv und deshalb auch nicht zu entdecken.

Einen längeren Halt nutzten wir zum Mittagessen. Hier hörten wir unseren ersten Hopfkuckuck und einen Gimpel, und nur von wenigen gesehen wurde eine schnell vorbei fliegende Erddrossel. Das Mittagessen schmeckte vorzüglich, und zum Nachtisch reichte uns unser neuer Chauffeur seinen privaten Tee. Wir dankten es ihm bestens.

Nach einer weiteren Stunde Fahrt gelangten wir wieder an den Baikalsee, hoch über Kultuk. Der Panoramablick gab Anlass für einen Stopp und wir fotografierten den Ausblick und den Güterverkehr auf der Transsibirischen Eisenbahn, die erstaunlich dicht befahren wird. Mit einer

neuen Tankfüllung und gutem Mut reisten wir weiter Richtung Westen ins Tunkatal. Langsam weicht hier die Taiga einer weitläufigen Steppenlandschaft, in der wir Spornpieper und Feldlerchen beobachteten. Hier folgte das Highlight des Tages: In der Ferne entdeckten wir zwei Jungfernkraniche, die wir nach einer kurzen und abenteuerlichen Fahrt auch aus der Nähe bewundern konnten. Nach einer weiteren Stunde Fahrt erreichten wir unser Hotel „Kristina“ in Arshan, einer Stadt, die für ihr heilendes Mineralwasser berühmt ist. Hier nahmen wir unser Abendessen (Salat, Suppe, Fisch und Nachtisch) ein und erstellten die Artenliste. Ziemlich müde von der langen Reise sanken wir danach alle in unsere Betten.

Samstag, 9. Juni 2012

Wir trafen uns um sechs Uhr zu einer Frühexkursion, die uns ins Dorf führte. Am oberen Ende der ornithologisch wenig ergiebigen Hauptstrasse betraten wir einen Park, in dem wir neben einigen Gartenrotschwänzen auch erstmals schön Spiegelrotschwänze beobachten konnten. Hier entdeckten wir auch Russschnäpper und Grünlaubsänger. Parallel dazu suchten Viktor und Peter die am Tag zuvor von einer anderen Gruppe gesichtete Schieferdrossel, konnten sie aber nicht entdecken. Nach dem ausgiebigen Frühstück beschlossen wir, noch einmal in den Park zu fahren, um die Arten eingehend zu beobachten. Jetzt liessen sich auch Bart und Dunkellaubsänger schön beobachten. Ein Highlight war die lange Beobachtung eines sein Nest bauenden Goldhähnchen-Laubsängers. Immer wieder kehrte der erstaunlich kleine und schön gezeichnete Vogel zu einer Stelle am Boden zurück, wo es scheinbar besonders feine Grashalme für den Nestbau gab. Eine mittlerweile ständige Begleitung waren Russschnäpper und Spiegelrotschwanz. Nur kurz konnten wir hier einen Wanderlaubsänger hören, und eine Nachsuche blieb leider erfolglos. Hingegen gelangen uns bei einer Lichtung am Fuss eines Hügels schöne Beobachtungen von Dickschnabel-Rohrsänger, Spiegelrotschwänzen und einer männlichen Maskenammer, die sich singend präsentierte. Der Rückweg zum Bus führte uns an den Fluss, wo zahlreiche Menschen Wasser holten und noch mehr Menschen ihre Ware feilboten. Hier deckten sich einige bereits mit Souvenirs ein, während andere sich der Beobachtung der hier zahlreich anwesenden Klippentauben widmeten. Vor der Weiterfahrt spendierte uns Viktor ein Eis, das bei der mittlerweile angestiegenen Temperatur gut tat. Danach führte uns unser Weg in die Ebene, wo wir feststellten, dass Jungfernkraniche hier nicht selten sind. Nach einer halben Stunde Fahrt durch die blühende Steppe und durch malerische Datscha-Siedlungen hielten wir auf einer staubigen Strasse an, um die Wiesenammer zu suchen. Sogleich zeigte sich ein Pärchen, verschwand aber ebenso schnell, wie es aufgetaucht war. Im angrenzenden dünenähnlichen Lebensraum suchten wir weiter und beobachteten ein sehr aktives Karmingimpelpaar, einen singenden Dickschnabel- Rohrsänger, einen Meisengimpel und einen Braunschnäpper, den ersten der Reise. Schliesslich entdeckten wir doch noch ein Paar der Wiesenammer, das sich so schön zeigte, dass es alle eingehend beobachten konnten. Die weitere Fahrt war geprägt von guter Stimmung und wiederholten Sichtungen von Zitronenstelzen, Braunwürgern und Spornpiepern. Nach knapp einer Stunde Fahrt erreichten wir einen Steppensee, wo wir bei herrlichem Wetter unseren ausgiebigen Lunch assen und den Baumfalken beim Jagen zuschauten. Anschliessend suchten wir an den Seen nach Limikolen und entdeckten Kiebitze, mehrere Rostgansfamilien, einen Teich- und einen Bruchwasserläufer sowie zwei Grosse Brachvögel, ebenso wie unsere erste Schellente, mehrere Reiher- und Tafelenten aber auch Lachmöwen und Flussseeschwalben. Mit einem Mal kam Bewegung in die Entenschar, ein Pärchen Löffelenten flog gar auf. Der Grund: Ein Wanderfalke jagte in rasendem Flug, bevor er sich nach misslungenem Angriff wieder in die Lüfte erhob. Zurück beim Bus machten wir uns bei mittlerweile hohen Temperaturen auf die Rückfahrt nach Arshan. Unterwegs hielten wir immer wieder an, um Häuser und Landschaften zu fotografieren. An einer Brücke war neben Mehl- und Rauchschwalben auch eine Fahluferschwalbe zu beobachten. Im Hotel hatten wir eine Stunde Zeit, uns auszuruhen, bevor es zum Abendmahl ging: Ein Salat, gefolgt von einer Suppe, einer Brät- Kartoffelroulade und einen leckeren Gugelhupf. Es folgte das Besprechen der Artenliste und des Programms der folgenden Tage. So ging dieser wunderschöne und reich gefüllte Tag zu Ende.

Sonntag, 10. Juni 2012

Nach dem ausserordentlich freundlich servierten Frühstück ging es direkt zum Park, den wir schon am Vortag besucht hatten. Hier war ein individuelles Programm angesagt. Wenige entschieden sich, bereits von Beginn weg in den Ausläufern des Sajan-Gebirges hinter Arshan zu wandern, die meisten aber machten sich auf die Suche nach der mittlerweile berühmten Unentdeckten: der Schieferdrossel. Bereits nach wenigen Metern hörten wir ein singendes Männchen, das jedoch kaum zu orten war. Leider liess es sich nach seiner Entdeckung nicht lange beobachten und verzog sich flussaufwärts. Eine kleine, vor Ort verweilende Gruppe wurde nach längerem Ausharren doch noch mit eindrücklichen Beobachtungen dieses wunderbaren Vogels belohnt. Während sich eine Gruppe weit in die Berge wagte und mit Beobachtungen von Wasseramsel, Kaschmirschwalbe, Schopfwespenbussard und Felsenammer zurückkam, konnten andere der Artenliste noch Weissbrauendrossel und eine vermutliche Rotkehldrossel anfügen. Wieder andere besuchten den Park und machten dort wunderschöne Beobachtungen von Weissrückenspechten. Gegen ein Uhr trafen sich alle mit Erinnerungen in Form von beobachteten Vögeln, Handwerks- oder Knabberwaren wieder beim Bus, der uns ins Hotel zurück brachte. Bei einem ausgiebigen Mittagessen mit Suppe, Salat mit Käse und Fleisch mit Kartoffeln feierten wir unsere Beobachtungen. Nach einer kurzen Mittagspause ging es dann aber schon weiter ins Tunkatal, wo wir uns in einem Jungwuchs auf einem Schuttkegel auf die Suche nach dem Bartrebhuhn machten. Zwar blieben wir dabei erfolglos, dafür konnten wir ein Branwürgerpaar schön beobachten, und die anwesenden Spornpieper boten immer wieder Grund zu Bestimmungsdiskussionen. Ein zweiter Halt galt einer Anhöhe über einem Feuchtgebiet. Von hier aus hatten wir einen schönen Ausblick über zahlreiche kleine Seen, an denen Jungfernkraniche nach Nahrung suchten und Rostgänse brüteten. Ebenfalls anwesend waren Pfeifenten und eine Knäkente. In den Büschen unterhalb der Anhöhe sangen Grünlaubsänger und Strichelschwirl. Auf der Suche nach einem zweiten geeigneten Beobachtungsort an diesen Wasserflächen entdeckten wir einen grossen Greifvögel, der sich schnell als Schelladler zu erkennen gab. Die brettartigen Schwingen und der kurze Schwanz wareneindeutige Merkmale. Wieder beim Wasser begrüsste uns eine kleine Steinschmätzerfamilie. Von hier aus beobachteten wir Bruch- und Teichwasserläufer, und eine Bekassine sang, derweilen uns die Langschwanzziesel anschrien!

Danach fuhren wir ins Hotel zurück, wo wir uns nach einer kurzen Pause zum Abendessen trafen. In einem separaten Zimmer (im Restaurant wurde laut mit Karaoke und anderen Lärmformen gefeiert) erstellten wir die Artenliste und besprachen das Programm des nächsten Tages, der laut Wettervorhersage regnerisch zu werden drohte. Trotzdem waren wir voll Zuversicht, als wir uns alle zur Ruhe legten - gespannt auf weitere Beobachtungen.

Montag, 11. Juni 2012

Auch an diesem Tag verzichteten wir auf eine Frühexkursion und fuhren direkt nach dem erneut fantastischen Frühstück mit Sack und Pack zurück Richtung Baikalsee. Unterwegs hielten wir an, um einen Horst des Kaiseradlers zu suchen. Beim Ausgang des Dorfes Tory fanden wir ihn in einiger Distanz zur Strasse. Er schien besetzt, denn auf dem benachbarten Baum sass ein adulter Kaiseradler in all seiner Pracht.

Nach einer weiteren Stunde Fahrt, bei der Schwarzmilane beobachtet und durch das Wegkicken eines Kadavers vor dem Überfahren gerettet werden konnten, erreichten wir Kultuk. Nach dem Tanken begaben wir uns an den Strand, wo es mittlerweile in Strömen regnete. Ein erster Blick verhiess nicht mehr als ein paar Möwen und Enten. Trotz des Regens gingen wir dem Ufer entlang und suchten weiter. Unser Aufwand wurde belohnt: Sturmmöwen der Unterart heinei, Spiessenten und zur Überraschung aller ein Grauschwanz-Wasserläufer. Im seichten Wasser tummelten sich über 130 Mittelsäger, Gänsesäger und Schellenten, und unweit des langen Landungsstegs tummelten sich drei Höckersamtenten. Eine spätere Nachsuche beim Landungssteg ergab einen Prachttaucher im Prachtkleid, der sich lange beobachten liess. Anschliessend fuhren wir weiter Richtung Sljudjanka, wo wir auf eine Strasse in Richtung der Berge abzweigten, bevor uns unser Fahrer aussteigen hiess. Auf einem kurzen Spaziergang entdeckten wir den zweiten Braunschnäpper der Reise. Am Picknickplatz angekommen erwartete uns eine Überraschung: Ein Baikalbuschsänger begrüsste uns mit lautem Trillern. Wir erlaubten uns, ihn kurz anzulocken, was uns einen fantastischen Blick auf den unauffälligen Vogel bescherte. Eine ebenfalls anwesende Blaunachtigall blieb leider unentdeckt. Das Mittagessen war erneut reichhaltig und vielfältig. Danach ging es weiter ins T al hinein in Richtung der Marmorberge. In einem Baum sang unvermittelt ein Taigaschnäpper, der sich aber leider nur sehr kurze Zeit und nicht allen Teilnehmenden zeiget. Ebenso erging es uns mit einem jungen Blaunachtigall-Männchen und später mit einem Blauschwanz-Weibchen. Weiter taleinwärts hörten wir eine singende Rötelammer in der Taiga. Zwei von uns verfolgten sie in der Folge lange und intensiv, ohne sie jedoch im dichten Wald entdecken zu können. Besser erging es Heinz, der beim Bus zurückgeblieben war und dort einer Blaunachtigall bei Trinken zusehen konnte. Sibylle und Jeannette wiederum beobachten einen Bartlaubsänger aus nächster Nähe. Anschliessend ging es mit dem Bus weiter Richtung Utulik. Ein Zwisschenstopp ergab noch zwei Kernbeisser und eine Schwirrnachtigall sowie einen weiteren Baikalbuschsänger. Nach Ankunft in einem Ferienresort in Utulik bezogen wir unsere Appartements und Zimmer, bevor wir uns frisch machten und wahlweise ein Bad im Baikalsee nahmen oder Blaunachtigallen beobachteten, die zusammen mit Kamingimpeln und Grünlaubsänger in der Anlage sangen. Ein frühes Abendessen mit Salat, Tee, einem Gratin aus Kartoffeln und Fleisch, gefolgt von einem Aprikosenkrapfen und Wodka rundete den Tag ab. Die Artenliste listete die heutigen Exklusivitäten auf. Später legten wir uns beim regelmässigen entfernten Rattern der Güterzüge auf der Transsibirischen Eisenbahn zur Ruhe.

Dienstag, 12. Juni 2012

Die heutige Frühexkursion führte uns direkt von der Ferienanlage dem Fluss entlang Richtung Strasse, wo wir im lichten Geäst kleiner Birken endlich den Sänger fanden, der uns seit einer Woche mit seinem explosiven Gesang begleitete. Auf einem Zweig sang mit grossem Engagement eine Blaunachtigall und liess sich gut beobachten. Allerdings musstenwir feststellen, dass junge Männchen deutlich weniger prächtig gefärbt sind, als die auf diverse Zeichnung dargestellten adulten Männchen. Der weitere Marsch ergab die mittlerweile als gewöhnlich erscheinenden Grünlaubsänger und Karmingimpel, bis Viktor mit einer guten Neuigkeit kam: Entlang der Strasse sang in einem Kilometer Entfernung ein Riesenschwirl. Der Vogel ist am Baikalsee auf der Durchreise, sehr leicht zu hören aber nur schwer zu beobachten. Das erlebten wir, als wir den unscheinbaren Vogel mit dem charakteristischen Gesang suchten. Mehr Glück hatten wir später mit einer Weissbrauendrossel, die sich lange Zeit schön beobachten liess. Mit entsprechender Verspätung trafen wir beim Frühstück ein, das erneut üppig ausfiel.

Anschliessend machten wir uns auf die Suche nach den Charakterarten der sibirischen Taiga. Bei einem erneuten Halt beim Riesenschwirl liess uns der Vogel durch seinen Gesang wissen, dass er noch anwesend war – beobachtet werden konnte er dennoch nicht. Dafür zeigte sich ein
Russschnäpper. Im Wald wiederum herrschte Ruhe, wie wir sie schon bei Bolshoe Goloustnoe erlebt hatten. So weit wir auch liefen: In der Umgebung der Klärbecken einer hier ansässigen Papierfabrik gab es ausser Grünlaubsängern, Hopfkuckucken und Blaunachtigallen wenig zu hören. Ein längerer Fussmarsch wurde schliesslich doch noch mit einem Spiegelrotschwanz, zwei Maskenammern und einer Schieferdrossel belohnt. Ebenfalls erfolgreich war die lange Suche nach der Rötelammer, die nun endlich ein Ende fand. Einige Teilnehmenden gelang es, sie kurz zu sehen. In den Wäldern entdeckten wir einen von einer Baumspitze aus singenden Waldpieper. Nach dem Mittagessen im Hotel hiess es erneut packen und ein vorerst letztes Mal duschen. Einige liessen es sich nicht nehmen, noch ein Bad im Baikalsee zu nehmen, andere bewunderten beim Ausgang des Resortgeländes ein Rubinkehlchenmännchen. Danach fuhr uns unser Bus mit allem Gepäck zurück in die Taiga.

Eine längere Wanderung führte uns an die Grenze des Sekundärwaldes in die feuchte Taiga eines erhöht gelegenen Tals. In diesem sehr interessanten und wild wuchernden Wald suchten wir leider vergebens nach Blauschwanz und Mugimakischnäpper, und auch in den hohen uralten Pappeln dürften schon länger keine Stachelschwanzsegler mehr gebrütet haben. Dennoch war die Umgebung beeindruckend; insgesamt hätte der Ort aber mehr Aufmerksamkeit und Zeit verdient. Spät am Nachmittag kehrten wir über Umwege zurück zum Bus, der uns nach wenigen kurzen Stopps zu unserem Restaurant am Baikalsee brachte. Hier genossen wir ein Essen mit Salat, Borschtsch und Fleisch. Nach dem Erstellen der Artenliste verbrachten wir den Abend mit Plaudern und Wodka. Gegen Mitternacht fuhr uns unser Chauffeur zum Bahnhof in Sljudjanka, wo wir um halb Eins den Nachtzug nach Ulan-Ude bestiegen. Nach dem Beziehen der bequemen Betten legten wir uns bald zur Ruhe. Eine kurze Nacht war angesagt.

Mittwoch, 13. Juni 2012

Bereits um halb sechs Uhr weckte uns die Zugbegleiterin. In bester Stimmung packten wir unsere Sachen und verliessen gegen halb sieben Uhr den Zug in Ulan-Ude. Hier erwartete uns Sascha, unser neuer Chauffeur mit einem grossen und geräumigen Bus. Der erste Halt galt einem Hotel, wo wir uns am Buffet labten. Hier trafen wir auf Flugbegleiter der Sibirian Airline, was einen ersten Vorgeschmack auf die Heimkehr gab. Erst aber erwartete uns noch ein Abenteuer. Unsere Fahrt hatte Beloozersk als Ziel, ein kleines Dorf nahe der mongolischen Grenze. Bereits nach wenigen Kilometer hielten wir aber bereits das erste Mal an, um einen verdächtig aussehenden Falken zu beobachten. Schnell erkannten wir, dass es sich um ein Amurfalkenmännchen handeln musste; die Unterflügel leuchteten hell. Kurz darauf entdeckten wir einen Isabellwürger, während eine Mangroveweihe ihre Runden zog und Feldlerchen sangen. Bei Orongoy beobachteten wir an einem grossen See Enten und weitere Mangroveweihen. Hier waren auch Höckersamtenten in grösserer Zahl zu beobachten. Erst nach langem Beobachten erkannten wir in den laut aus dem Schilf singenden Rohrsängern den Chinarohrsänger, eine Drosselrohrsängers. Zwergtaucher rundeten die Artpalette ab. Ein nächster Halt bei Khargana hielt eine Überraschung bereit. Zwar waren Spornpieper und Isabellwürger anwesend, aber mit den zahlreich anwesenden Bandammern hatte niemand gerechnet.

Schwesterart unseres Es war eine wunderschöne Beobachtung. Hier trafen wir auf die schottische Reisegruppe, die bereits seit Beginn der Reise konstant zwei Tage vor uns unterwegs war. Plötzlich mussten wir uns beeilen, die Bahnunterführung noch passieren zu können, denn ein paar Cowboys jagten eine Horde Kälber durch die enge Unterführung. Unser letzter Halt vor dem Mittagessen bescherte uns eine Fichtenammer und eine Fisch jagende Rohrdommel bei erfolgreichem Beutezug. Langsam wurde es Zeit, sich dem Mittagessen zu widmen. In Gusinoozersk fanden wir eine Bar, die uns Borschtsch und Fleisch servierte, gefolgt von einem Kaffee und einem von Viktor spendierten Eis. Auf der Weiterfahrt hielten wir erst einmal in einem lichten Wald auf einem Hügel. Hier sahen wir Amurfalken und eine Wiesenammer. Ein durchfliegender Mäusebussard sorgte zudem für Verwirrung, weil er an einen Mongolenbussard erinnerte. Doch war der Vögel deutlich kleiner, als es ein Mongolenbussard sein müsste. Dann ging es Schlag auf Schlag: Wenige Kilometer weiter, wo sich die Strasse durch eine Hügellandschaft windet, entdeckten wir einen grossen Greifvogel. Sofort hielten wir an und identifizierten ihn an der charakteristischen Unterseitenzeichnung als Mongolenbussard. Wir wollten eben einsteigen, als ein Gesangunsere Aufmerksam erregte. Vor uns sang eine Lerche und stieg langsam in den Himmel. Die schmal erscheinenden Flügel bestätigten unseren Verdacht sofort: Hier flog eine Mongolenlerche. Sie setzte sich unweit von uns nieder, sodass wir sie beobachteten konnten. Bei unserer Annäherung, um Fotos zu machen, schreckte plötzlich eine zweite Lerche auf: eine Ohrenlerche der Unterarten brandtii. Was wir in Europa an der Ohrenlerche als gelb gefärbt kennen, ist bei dieser Unterart vollkommen weiss. Von diesen Beobachtungen regelrecht beflügelt bestiegen wir wieder den Bus und fuhren weiter bis zu einer Brücke jenseits der Hügellandschaft. In dieser malerischen Landschaft gab es nur wenige Vogelarten zu sehen. Kurz nach diesem Halt entdeckten wir über uns plötzlich ein gutes Dutzend Amurfalken. Schnell ausgestiegen, konnten wir sie mit all ihren Merkmalen eingehend beobachten. Es war ein wunderbares Erlebnis. Zwar war es noch weit bis zu unserem Ziel, dennoch sollten wir noch zwei Mal anhalten. Zweimal entdeckten wir einen sehr grossen Greifvogel, der nach dem Aussteigen schnell als Steppenadler bestimmt werden konnte. Beide Male handelte es sich um einen subadulten Vogel. Kurz vor Beloozersk verfuhr sich Sascha das erste Mal – ein schlechtes Omen. Endlich beim Internat, wo wir wohnen sollten, angekommen, begrüsste uns Ekatarina und wies uns unsere Zimmer zu. Zu zweit bis zu viert belegten wir einen der spartanisch eingerichteten Schlafräume und wurden in das Sanitärsystem eingeweiht: Das Plumpsklo der Schule lag in vier Minuten Gehdistanz, im Waschraum gab es aus Sparwasserspendern portionenweise Wasser. Bis zuletzt hatten sich aber alle frisch gemacht, und wir assen das liebevoll zubereitete Abendessen. Im Anschluss erstellten wir die Artenliste, die recht umfangreich ausfiel. Es folgte eine ruhige Nacht und ein wunderschöner Morgen.

Donnerstag, 14.6.2012

Eine Frühexkursion führte uns in die Umgebung von Beloozersk. Hier sind Mongolen- und Ohrenlerchen häufig. Zu unserer Überraschung entdeckten wir in einem von Abfall übersäten Feld erneut eine Bandammer. Daneben sangen viele Steinschmätzer und Isabellsteinschmätzer. Im Dorf beobachteten wir zwei Wiedehopfe beim Füttern ihrer Brut. Einen ersten Vorgeschmack auf die kommende Vormittagsexkursion gaben vier überfliegende Brandgänse. Nach dem Morgenessen mit Milchreis ging es los Richtung Steppensee. Ein mehrfaches Missverständnis, gepaart mit der Sturheit unseres Fahrers führte dazu, dass wir eine Stunde lang ohne Ergebnis in der Gegend herum fuhren, dabei aber einen Würgfalken und Sibirische Murmeltiere entdeckten. Daneben beobachteten wir „en route“ zahlreiche Lerchen. Endlich beim See angekommen, flimmerte die Luft schon ordentlich. Dennoch entdeckten wir hier Uferschnepfen der östlichen und der westlichen Unterart, Grünschenkel und Säbelschnäbler.

Ein ebenfalls anwesender Grosser Brachvogel gab uns Rätsel auf. Sein unglaublich langer Schnabel liess an einen Isabellbrachvogel denken. Da sein Rücken aber vollständig weiss war, liess sich der Vogel als Vertreter der westlichen Art bestimmen. Auf dem See waren neben zahlreichen Entenarten auch Singschwäne, Rostgänse und Ohrentaucher anwesend. Von einem bessern Beobachtungsplatz aus gelang einem Teil der Gruppe die Sichtung weiterer Arten, darunter der Höckersamtente. Bereits auf dem Rückweg entdeckte diese Teilgruppe noch einen Teichwasserläufer und ein Odinshühnchen im Prachtkleid, derweil die gemütlichere T eilgruppe fünf Schwanengänse beobachtete. Das späte Mittagessen war fast zu üppig: Borschtsch und Nudeln mit Cervelat, die vor Ort aus Schweinefleisch hergestellt werden. Am Nachmittag fuhren wir zu einem zweiten See, der ausser unserer ersten Kurzzehenlerche wenig hergab. Auf dem Rückweg, teilweise zu Fuss, entdeckten wir neben Mongolen- und Ohrenlerchen kurz eine Stummellerche. Ekatarina hatte angekündigt, uns zu einem Brutplatz der Stummellerche zu führen, und so holten wir sie zu Hause ab. Gemeinsam fuhren wir in ein kleines felsiges Flusstal, in dem leider keine Stummellerchen zu sehen waren. Dafür beobachteten wir ausser einem Amurfalken erneut zahlreiche Steinschmätzer mit ihren Jungen. Viel ertragreicher war der anschliessende Ausflug zum Schrottplatz des Dorfes, wo wir nach kurzer Suche Steinsperlinge fanden, die hier, wie beinahe überall, extrem scheu waren. Zurück im Internat hatten wir Zeit, uns zu erholen, bevor es das letzte Abendessen gab - Pouletschenkel und Hartweizen. Nach den Süssigkeiten und der Artenliste ging ein Teil von uns zu Ekatarina nach Hause, wo uns die Gastgeberin ihr Haus und zahlreiche selbst gemachte Vogelfotos zeigte. Gegen zehn Uhr waren wir wieder zu Hause und es folgte unsere letzte Nacht in der Steppe. 

Freitag, 15.6.2012

Ohne Frühexkursion trafen wir uns um sieben Uhr zum Frühstück, um kurz darauf noch einmal zum grossen Steppensee zu fahren. Auf dem Weg dahin konnten wir endlich auch Stummellerchen beobachten, eine Art, die bislang noch nicht von Allen gesehen werden konnte. Am See selbst gab es bei bestem Licht die üblichen Verdächtigen. Leider konnten aber weder das Odinshühnchen noch die Schwanengänse weder gefunden werden. Dafür gab es Stelzenläfer und einen weiteren Prachttaucher. Erst im Bus erfuhren wir durch die Nachbestimmung von Veronika, dass sie einen Rotkehl-Strandläufer gesehen hatte; eine schöne Ergänzung für die Artenliste. Diese wurde während des Heimwegs noch aufgebessert. Erst entdeckten wir einen Mönchsgeier, danach einen juvenilen Steinadler und zuletzt, am See bei Orongoy, den wir bereits am Mittwoch besucht hatten, sechs Sichelenten. Das Mittagessen war erneut erfrischend vielfältig, es gab Teigtaschen mit Fleisch.

Hier liefen Wiederholungen von Spielen der Fussball-Europameisterschaften, die uns daran erinnern, dass auch das Leben in der Schweiz etwas zu bieten haben wird. Nach der Ankunft in Ulan-Ude checkten wir im Hotel ein, machten uns frisch und genossen anschliessend das gemeinsame Abendessen. Es gab Salat, Suppe und überbackenen Fisch. Danach folgte das Erstellen der Artenliste, worauf wir uns in ein Zimmer zurückzogen, um bei einer Flasche Wodka Abschied zu feiern und letzte Daten und Bilder auszutauschen. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge nahmen wir langsam Abschied von Sibirien. Die Nacht sollte kurz werden.

Samstag, 16.6.2012

Nach einem frühen Frühstück fuhr uns Sascha zum Flughafen, wo wir uns von ihm und Viktor verabschiedeten. Das Check-In verlief erstaunlich ruhig, die Sicherheitskontrolle war anstrengend und vor dem Boarding mussten wir mehrfach kontrollieren, ob jeder auch wirklich seinen Pass und seine persönliche Bordkarte hatte. Mit einer Stunde Verspätung verliessen wir Ulan-Uda und erreichten nach über 6 Stunden Flug Moskau. Hier reichte es knapp für das Prozedere Check-In, Ausreise und Sicherheitscheck, bevor wir das Flugzeug nach Zürich bestiegen. Nach drei Stunden landeten wir pünktlich und bei herrlichem Wetter in Zürich, wo es zu diesem Zeitpunkt erst vier Uhr Nachmittags war. Hier verabschiedeten wir uns von Peter, der direkt nach Hamburg flog und sagten einander nach Erscheinen des Gepäcks Lebewohl. Eine schöne und abenteuerliche Reise hatte ein Ende gefunden.

 

Kommentierte Artenliste Vögel Singschwan (Cygnus cygnus)

9-10 Ind. am grossen See bei BE

Schwanengans (Anser cygnoides)
5 Ind. am grossen See bei BE; von einem Teil der Gruppe ausgiebig beobachtet

Rostgans (Tadorna ferruginea)
Regelmässig am Wasser in Steppengebieten; maximal mehrere hundert Ind. am grossen See bei BE

Brandgans (Tadorna tadorna)
Viele Ind. fliegend und am Wasser bei BE

Pfeifente (Anas penelope)
Einzelne Ind. bei NL und TT; zahlreich am grossen See bei BE

Sichelente (Anas falcata) 6 Ind. bei OR

Schnatterente (Anas strepera)
Einzelne Ind. bei NL und am grossen See bei BE

Krickente (Anas crecca)
Regelmässig in Feuchtgebieten; maximal 50+ am grossen See von BE

Stockente (Anas platyrhynchos) Regelmässig in Feuchtgebieten

Spiessente (Anas acuta)
4 Ind. bei KU, zahlreich am grossen See von BE

Knäkente (Anas querquedula)
Zahlreich bei NL, regelmässig in Feuchtgebieten, erstaunlicherweise keine bei BE

Löffelente (Anas clypeata) Regelmässig in Feuchtgebieten

Tafelente (Aythya ferina) Regelmässig in Feuchtgebieten

Reiherente (Aythya fuligula) Regelmässig in Feuchtgebieten

Höckersamtente (Melanitta deglandi)
Ein Ind. fliegend bei BG; drei Ind. bei KU, zahlreich bei OR und am grossen See von BE; die beobachtete asiatische UA stejnegeri unterscheidet sich von der in Amerika brütenden UA durch die Schnabelfärbung und den grösseren Höcker; gewisse Autoren schlagen für diese UA Artstatus vor

Schellente (Bucephala clangula)
Regelmässig in Feuchtgebieten im Tunkatal und südlich UU

Zwergsäger (Mergellus albellus) 2 Ind. bei OR

Mittelsäger (Mergus serrator) Zahlreiche bei BG; maximal 130 bei KU

Gänsesäger (Mergus merganser) Zahlreich bei KU

Wachtel (Coturnix sp.)
Ein unbestimmtes Ind. auffliegend am Steppensee im TT; laut VS kommen hier sowohl W achtel Coturnix coturnix als auch Japanwachtel Coturnix japonica vor

Prachttaucher (Gavia arctica)
Je ein Altvogel bei KU und am grossen See von BE

Haubentaucher (Podiceps cristatus) Vereinzelt bei NL und südlich von UU

Ohrentaucher (Podiceps auritus) Wenige Ind. am grossen See von BE

Schwarzhalstaucher (Podiceps nigricollis) Zahlreich bei NL und südlich UU

Rothalstaucher (Podiceps grisegena)
Je ein Ind. an Teichen ob UT und am grossen See von BE

Kormoran (Phalacrocorax carbo)
2 Ind. am grossen See von BE; UA sinensis

Rohrdommel (Botaurus stellaris) 1 Ind. bei KH schön gesehen

Graureiher (Ardea cinerea)
Vereinzelt in Feuchtgebieten; zahlreich bei BE

Purpurreiher (Ardea purpurea) Ein Ind. bei OR

Schwarzstorch (Ciconia nigra) 2 Ind. am Steppensee im TT

Schopfwespenbussard (Pernis ptilorhyncus) Mehrere Ind. auf dem Weg nach und von BG; 1 Ind. bei AR; UA orientalis, die bei einigen Autoren Artstatus besitzt

Schwarzmilan (Milvus migrans)
Regelmässig gesehen; UA lineatus mit helleren Handschwingenbasen und dunkler Augenmaske; UA besitzt bei einigen Autoren Artstatus „Sibirischer Schwarzmilan“

Mönchsgeier (Aegypius monachus) 1 Ind. bei BE

Mangroveweihe (Circus spilonotus) Wiederholt in Feuchtgebieten bei NL und südlich UU; Schwesterart unserer Rohrweihe; bei OR ein sehr dunkles M mit dennoch nicht schwarzem Kopf beobachtet; von anderen Gruppen war hier ein Ind. als Elsterweihe Circus melanoleucos bestimmt worden

LIBERTY BIRD Reisebericht

Sperber (Accipiter nisus) 1 Ind. bei OL

Mäusebussard (Buteo buteo)
Wiederholt einzelne Ind.; UA japonicus; von einigen Autoren mit Artstatus

Mongolenbussard (Buteo hemilasius) Insgesamt 3 Ind. südlich von UU; deutlich grösser als Mäusebussard mit starkem Kontrast zwischen schwarzem Handfleck und hellen Handschwingenbasen

Schelladler (Aquila clanga) 1 Ind. im TT

Steppenadler (Aquila nipalensis) Insgesamt 3 Ind. in den Steppen südlich UU

Kaiseradler (Aquila heliaca)
2 Ind. bei BG; ein Nest mit Altvogel hinter Tory im TT

Steinadler (Aquila chrysaetos)
1 Jungvogel nördlich BE; UA kamtschatica

Zwergadler (Aquila pennata) 1 Ind. bei OL

Turmfalke (Falco tinnunculus) Regelmässig

Amurfalke (Falco amurensis)
Einzelne Ind. sowie ein Trupp von 12 Ind. in den Steppen südlich UU

Baumfalke (Falco subbuteo) Wiederholt jagend beobachtet

Würgfalke (Falco cherrug)
1 Ind. aus grosser Distanz bei BE

Wanderfalke (Falco peregrinus)
1 Ind. jagend am Steppensee im TT; 1 Ind. bei AR

Blässhuhn (Fulica atra) Einzelne Ind. bei NL und OR

Teichhuhn (Gallinula chloropus) Ein Ind. bei OR

Wachtelkönig (Crex crex) Zahlreiche Ind. bei OL gehört

Kranich (Grus grus)
Trupp von 37 Ind. am grossen See bei BE;

Jungfernkranich (Grus virgo) Regelmässig im TT

Stelzenläufer (Himantopus himantopus) 3 Ind. am grossen See bei BE

Säbelschnäbler (Recurvirostra avosetta) Zahlreiche mit Jungen am grossen See bei BE

Flussregenpfeifer (Charadrius dubius) Vereinzelt bei BG; zahlreich an den Steppenseen südlich UU

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Kiebitz (Vanellus vanellus) Vereinzelt in Feuchtgebieten

Rotkehl-Strandläufer (Calidris ruficollis)
1 Ind. von einer Teilnehmenden am grossen See bei BE beobachtet

Bekassine (Gallinago gallinago)
Zwei überfliegende Ind. bei NL; ein Sänger im TT; ein Ind. bei Klärteichen oberhalb UT

Waldbekassine (Gallinago megala)
1 Ind. bei OL mehrmals auffliegend, Merkmale weder feststell- noch erläuterbar, Identifi- zierung via Habitat durch VS

Uferschnepfe (Limosa limosa)
Mehrere Ind. am grossen See bei BE; zwei verschiedene UA; bei Nominatform erreicht die Rotfärbung die Beine nicht; bei UA melanuroides reicht die Rotfärbung zwischen die Beine

Grosser Brachvogel (Numenius arquata) Mehrere Ind. im TT, und an den Seen südlich UU; ein Ind. bei BE mit sehr langem Schnabel erinnerte an den Isabellbrachvogel Numenius madagascariensis, zeigte aber einen weissen Rücken, was bei dieser Art nicht vorkommt

Teichwasserläufer (Tringa stagnatilis) Vereinzelt im TT; zahlreich am grossen See bei BE; soll in NL brüten, dort nicht beobachtet

Grünschenkel (Tringa nebularia) Ein Ind. am grossen See bei BE

Bruchwasserläufer (Tringa glareola) Vereinzelt im TT und südlich UU; zahlreich am grossen See bei BE

Flussuferläufer (Actitis hypoleucos) Einzelne Ind. bei NL, BG, UT und AR

Grauschwanz-Wasserläufer

(Tringa brevipes)
Ein Ind. bei KU; bei BG unerwarteterweise nicht gesehen

Odinshühnhen (Phalaropus lobatus)
Ein Ind. am grossen See bei BE von einem T eil der Gruppe beobachtet

Lachmöwe (Chroicocephalus ridibundus) Zahlreich bei NL, beim Steppensee im TT und am grossen See bei BE

Sturmmöwe (Larus canus) 4 Ind. bei KU; UA heinei

Steppenmöwe (Larus cachinnans)
Zahlreich am Baikalsee bei BG, KU und UT; UA mongolicus mit viel Weiss in der Handschwingenspitze; wird von einigen Autoren als eigene Art „Mongolenmöwe“ oder als Unterart der Ostsibirienmöwe Larus vegae betrachtet

LIBERTY BIRD Reisebericht

Flussseeschwalbe (Sterna hirundo)
Zahlreich bei IR, vereinzelt im TT, bei UT und südlich UU; UA longipennis mit vollständig schwarzem Schnabel; mind. bei IR auch Ind. mit rotem Schnabel, vermutlich der UA minussensis zuzurechnen

Trauerseeschwalbe (Chlidonias niger) Mehrere Ind. bei NL

Weissflügel-Seeschwalbe

(Chlidonias leucopterus)
Zahlreich bei NL; vereinzelte am grossen von BE

Orientturteltaube (Streptopelia orientalis) Einzelne überfliegende Ind. bei OL, BG unterwegs ins TT; erstaunlich selten!

Klippentaube (Columba rupestris)
Vereinzelt bei BG und BE, zahlreich bei hybridisiert laut VS mit der Strassentaube, womit ihr langfristig das selbe Schicksal droht, wie der Felsentaube Columba livia; auffällige und charakteristische weisse Schwanzbinde

Strassentaube (Columba livia f. domestica) Überall in Siedlungen, teilweise Hybriden mit Klippentaube Columba rupestris

Ringeltaube (Columba palumbus)
1 Ind. bei BG gesehen; erstaunlich selten

Kuckuck (Cuculus canorus)
Regelmässig gehört; vereinzelte Beobachtungen konnten dieser Art zugeordnet werden

Hopfkuckuck (Cuculus optatus)
Regelmässig gehört; keine Beobachtung konnte dieser Art zugeordnet werden; Ruf erinnert an denjenigen des Wiedehopfs

Mauersegler (Apus apus)
Südlich UU mit Sicherheit beobachtet; andernorts möglicherweise übersehen

Pazifiksegler (Apus pacificus)
Häufig in IR und UU; Rufe rauer und gegen Ende abfallend; Bürzel weiss

Wiedehopf (Upupa epops)
Ein Ind. im TT, zahlreich bei BE (inkl. mind. 2 Bruten)

Wendehals (Jynx torquilla) Wenige Ind. bei OL gehört

Schwarzspecht (Dryocopus martius) Je ein Ind. bei BG und oberhalb UT

Buntspecht (Dendrocopos major) Regelmässig beobachtet

Kleinspecht (Dendrocopos minor) Ein Ind. bei OL

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Weissrückenspecht (Dendrocopos leucotos) Vereinzelt beobachtet auf dem Weg nach BG, bei AR, UT und südlich UU

Mongolenlerche (Melanocorypha mongolica) Zahlreich bei BE

Stummellerche (Calandrella rufescens) Vereinzelt bei BE; UA cheleensis, die auch als eigene Art „Salzlerche“ betrachtet wird; folgende Merkmale notiert: „girlitzhaft“ klein, stumpfer Schnabel mit konvexen Kanten, kurze Handschwingenprojektion, auffälliger Singflug mit langsamen Flügelschlägen und erhobenem Kopf

Kurzzehenlerche (Calandrella brachydactyla) Ein Ind. am kleinen See bei BE

Feldlerche (Alauda arvensis) Zahlreich in Steppengebieten

Ohrenlerche (Eremophila alpestris) Regelmässig südlich UU; UA brandtii mit weiss-schwarzem Kopfmuster

Fahluferschwalbe (Riparia diluta)
1 Ind. im TT beobachtet; manchmal als UA der Uferschwalbe Riparia riparia betrachtet; folgende Merkmale notiert: fahl grauer Rücken, (fast) kein Brustband, dunklere zum Rücken kontrastierende Flügel, fahler Kopf mit angedeuteter Maske

Uferschwalbe (Riparia riparia) 3 Ind. südlich UU

Rauchschwalbe (Hirundo rustica)
Überall häufig; UA tytleri mit ziegelroter Unterseite

Mehlschwalbe (Delichon urbicum) Wiederholt einzelne Ind. beobachtet

Kaschmirschwalbe (Delichon dasypus)
Rund 30 Ind. im Sajangebirge hinter AR von einem Teil der Gruppe gesehen; manchmal als UA der Mehlschwalbe Delichon urbicum betrachtet

Spornpieper (Anthus richardi)
Regelmässig in trockenen Gebieten, zahlreich in Steppe im TT und südlich UU; im Gegensatz zu dieser gelang uns kein Nachweis des ähnlichen aber am Gesang gut unterscheidbaren Steppenpiepers Anthus godlewskii

Waldpieper (Anthus hodgsoni)
Mehrere Ind. zwischen BG und IR (laut VS ungewöhnlich); zahlreich im TT und bei UT; einzelne schön und lange singend beobachtet; Kombination aus moosgrünem ungestreiften Rücken und auffälligem Kopfmuster; trockener Triller ist charakteristisches Element des Gesangs (fehlt beim manchmal ähnlich singenden Goldhähnchenlaubsänger Phylloscopus proregulus); Gesang im Tempo

See und AR;

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nicht variierend, wie beim Baumpieper Anthus

trivialis
Baumpieper (Anthus trivialis)

Einzelne Ind. bei OL und BG

Zitronenstelze (Motacilla citreola)
Zahlreich in Feuchtgebieten, insbesondere bei NL, im TT und südlich UU

Bergstelze (Motacilla cinerea)
Regelmässig entlang fliessender Gewässer bei BG und AR

Bachstelze (Motacilla alba)
Weit verbreitet, dennoch nicht häufig; UA baicalensis mit viel Weiss im Flügel, gebildet durch die breiten weissen Ränder der Grossen Flügeldecken

Wasseramsel (Cinclus cinclus)
2 Ind. an einem Bach im Sajangebirge hinter AR von einem Teil der Gruppe gesehen

Schwirrnachtigall (Luscinia sibilans)
Je ein Ind. gehört bei OL und SL; 1 Ind. oberhalb UT kurz gesehen durch MS; sehr schwer zu beobachtende Art mit auffälligem Gesang; unerwartet selten

Rubinkehlchen (Luscinia calliope)
Total 4 Ind. bei OL, darunter ein schön beobachtbares singendes M; bei SL kurz gehört; 1 M bei der Unterkunft in Utulik

Blaukehlchen (Luscinia svecica)
Zahlreich bei OL; einzelne Paare bei NL und unterwegs nach AR; UA svecica „Rotsterniges Blaukehlchen“

Blaunachtigall (Luscinia cyane)
Häufig zu hören in der Taiga, insbesondere oberhalb UT ; hier zwei vorjährige M beobachtet; da die Art erst nach der ersten Mauser im Sommer des 2. KJ. blaue Flügel zeiget, wirkten die beiden beobachteten Vögel erstaunlich düster

Blauschwanz (Tarsiger cyanurus)
1 Ind. gehört in der Taiga bei BG; gehört oberhalb UT und bei SL; hier kurz ein W beobachtet; erstaunlich selten und insgesamt ein eher enttäuschendes Auftreten

Gartenrotschwanz

(Phoenicurus phoenicurus)
Regelmässig bei AR; ein M singt hier hinter dem Hotel

Spiegelrotschwanz (Phoenicurus auroreus) Mehrere Ind. bei AR; je ein Pärchen bei BG und oberhalb UT

Schwarzkehlchen (Saxicola torquatus) Zahlreich bei NL; vereinzelt im TT; UA maurus

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Isabellsteinschmätzer (Oenanthe isabellina) Häufig in Steppengebieten

Steinschmätzer (Oenanthe oenanthe) Häufig in offenem Gebiet

Erddrossel (Zoothera dauma)
1 Ind. unterwegs nach AR vom MS durchfliegend gesehen

Schieferdrossel (Geokichla sibirica)
1 M bei AR singend und anschliessend von

besitzt vielerorts „Pallasschwarzkehlchen“

Artstatus

Weissbrauendrossel (Turdus obscurus)
1 M bei UT von einem Teil der Gruppe beobachtet; zudem bei AR

Rotkehldrossel (Turdus ruficollis)
1 Ind. vermutlich dieser Art bei AR von einem Teil der Gruppe gehört; am Gesang kaum von der Schwarzkehldrossel Turdus atrogularis zu unterscheiden, laut VS ist die Rotkehldrossel hier verbreiterter; das Auftreten grosser Drosseln war insgesamt eher bescheiden

Baikalbuschsänger (Bradypterus davidi)
Insg. 4 Ind. bei SL gehört; ein Ind. rund 30s lang schön singend beobachtet; vereinzelt oberhalb UT singend und teilweise gesehen

Streifenschwirl (Locustella certhiola) Vereinzelte Individuen bei NL, OL und oberhalb UT ; Gesang erinnert an Rohrsänger Acrocephalus sp. mit explosivem Schluss

Strichelschwirl (Locustella lanceolata)
Häufig bei OL, vereinzelt oberhalb UT; Gesang erinnert an Feldschwirl Locustella naevia

Riesenschwirl (Locustella fasciolata) Überraschend ein rastendes Ind. bei UT gehört; war trotz der geringen Distanz (ca. 4m) im Busch nur als durchhuschender Schatten zu erkennen

Chinarohrsänger (Acrocephalus orientalis) Unerwartet mehrere Sänger bei OR; wurde früher als UA des Drosselrohrsängers Acrocephalus arundinaceus betrachtet

Dickschnabel-Rohrsänger

(Acrocephalus aedon)
Regelmässig bei OL; vereinzelt im TT und bei SL; lebt in für Rohrsänger vollkommen untypischen Lebensräumen

Klappergrasmücke (Sylvia curruca) Regelmässig bei OL, vereinzelt im TT; UA blythi

Grünlaubsänger (Phylloscopus trochiloides) Regelmässig in Wäldern und Feuchtgebieten; häufig oberhalb UT ; mehrheitlich UA plumbeitarsus „Middendorff-Laubsänger“ mit

einem T eil der Gruppe schön zudem ein Ind. oberhalb UT

Amsel (Turdus merula)
Je ein Ind. bei NL und bei OL

beobachtet;

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doppelter Flügelbinde; laut VS soll hier auch die UA viridanus brüten, die sich leicht im Gesang unterscheidet und keine zweite Flügelbinde zeigt; diese UA konnten wir nie nachweisen

Wanderlaubsänger (Phylloscopus borealis) 1 Sänger bei AR; allenfalls erste Rückkehrer

Goldhähnchen-Laubsänger

(Phylloscopus proregulus)
Ein Sänger bei BG; einer unterwegs nach AR; ein Ind. bei AR beim Nestbau beobachtet

Bartlaubsänger (Phylloscopus schwarzi) Regelmässig gehört bei OL, BG und oberhalb UT; schön beobachtet bei AR

Dunkellaubsänger (Phylloscopus fuscatus) Zahlreich bei OL, hier auch gut zu sehen; vereinzelt bei AR

Zilpzalp (Phylloscopus collybita)
4 Ind. bei OL und 2 Ind. unterwegs nach AR; UA tristis „Taigazilpzalp" mit charakteristisch wetzendem Gesang; manchmal als eigene Art betrachtet

Russschnäpper (Muscicapa sibirica) Zahlreich bei AR; ein Ind. bei UT

Braunschnäpper (Muscicapa dauurica) Bei AR und oberhalb UT

Taigaschnäpper (Ficedula albicilla)
Nur gehört unterwegs nach AR und bei SL

Schwanzmeise (Aegithalos caudatus)
2 bzw. 4 Ind. bei OL und oberhalb von UT

Weidenmeise (Poecile montanus) Regelmässig in der Taiga gehört

Tannenmeise (Periparus ater) Regelmässig in der Taiga gehört

Sumpfmeise (Poecile palustris) 2 Ind. oberhalb UT

Lasurmeise (Cyanistes cyanus) Ein fütterndes Paar bei OL

Kohlmeise (Parus major) Regelmässig beobachtet

Kleiber (Sitta europaea)
Regelmässig in der Taiga gesehen und gehört, zutraulich und gut zu beobachten bei AR; rostrote Färbung bei UA asiatica auf die Unterschwanzdecken beschränkt

Braunwürger (Lanius cristatus) Wiederholt in offenem Gelände beobachtet

Isabellwürger (Lanius isabellinus)
Wiederholt beobachtet in der Steppe südlich UU; insbesondere bei OR und KH

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Eichelhäher (Garrulus glandarius)
Wiederholt bei SL und oberhalb UT; UA brandtii mit rostrotem Kopf und gräulichem Mantel

Blauelster (Cyanopica cyanus)
Zahlreich bei OL, wiederholt beobachtet oberhalb UT und südlich UU

Elster (Pica pica) Regelmässig beobachtet

Tannenhäher (Nucifraga caryocatactes) Regelmässig in der T aiga gehört und beobachtet, zahlreich bei BG; UA macrorhynchos, die bei Invasionen auch in der Schweiz zu beobachten ist

Elsterdohle (Corvus dauuricus)
Zahlreich bei BG; einzelne Ind. südlich UU

Rabenkrähe (Corvus corone) Regelmässig beobachtet

Kolkrabe (Corvus corax) Regelmässig beobachtet

Haussperling (Passer domesticus) Häufig in Siedlungen

Feldsperling (Passer montanus) Häufig an Siedlungsrändern

Steinsperling (Petronia petronia)
2 Ind. bei BE, hier brütend; scheu und vor allem am Ruf gut erkennbar

Buchfink (Fringilla coelebs) Vereinzelt in der Taiga gehört

Bergfink (Fringilla montifringilla) Vereinzelt in der Taiga gehört

Erlenzeisig (Carduelis spinus) Vereinzelt in der Taiga gehört

Fichtenkreuzschnabel (Loxia curvirostra) Zahlreich bei BG, bei AR und oberhalb UT

Karmingimpel (Carpodacus erythrinus) Regelmässig beobachtet und gesehen; oberhalb UT häufig

Meisengimpel (Uragus sibiricus) Drei Pärchen bei OL; ein Ind. im TT

Gimpel (Pyrrhula pyrrhula)
Zwischen IR und dem TT sowie bei AR wiederholt beobachtet und gehört; alle Ind. der UA pyrrhula; ebenfalls anwesend ist die UA cineracea, die manchmal Artstatus geniesst „Graugimpel“, und bei denen die M eine vollständig graue Unterseite und Kopf zeigen

Kernbeisser (Coccothraustes coccothraustes) Wenige rufend bei SL und oberhalb UT

Maskenammer (Emberiza spodocephala)
4 Ind. bei OL; 1 Ind. bei AR und 3 Ind. oberhalb UT

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Fichtenammer (Emberiza leucocephalos) Regelmässig aber nicht häufig im lichten Wald; hybridisiert hier regelmässig mit der Goldammer Emberiza citrinella

Goldammer (Emberiza citrinella) Ein Ind. bei OL

Felsenammer (Emberiza godlewskii) Überraschend 2 Ind. im Sajangebirge hinter AR von einem Teil der Gruppe beobachtet

Wiesenammer (Emberiza cioides)
Vergeblich gesucht bei BG; hier möglicherweise als Brutvogel verschwunden, weil das Gebiet im Sommer sehr stark und wenig kontrolliert frequentiert wird; mehrere

Pflanzen: Trollblume (Trollius sp.)

Bei NL

Helmknabenkraut (Orchis militaris) Beim Steppensee im TT

Frauenschuh (Cypripedium sp.) Bei SL

Säugetiere; Amphibien und Reptilien:

Bisamratte (Ondatra zibethicus)
Zahlreich bei NL und im TT; zu Jagdzwecken aus Nordamerika eingeführt

Langschwanzziesel

(Spermophilus undulatus)
Zahlreich bei BG, in der Steppe im TT und südlich UU

Baikalrobbe (Pusa sibirica)
3 Ind. kurz bei BG auftauchend

Burunduk (Tamias sibiricus) Immer wieder gehört oberhalb UT

Insekten:
Vierfleck (Libellula quadrimaculata)

Häufige Libelle bei NL

Schwalbenschwanz (Papilio machaon) Bei OL

Trauermantel (Nymphalis antiopa) Bei NL

UA: Unterart
Ind.: Individuum/Individuen

M: Männchen W: Weibchen

KJ: Kalenderjahr

VS: Viktor Salovarov MS: Michael Schaad

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Paare im TT schön beobachtet; zudem 1 Ind. südlich UU

Rötelammer (Emberiza rutila)
Vereinzelt gehört; kurz beobachtet vor BG und oberhalb UT ; schwierig zu beobachten

Weidenammer (Emberiza aureola)
Zahlreich bei NL und bei OL; vereinzelt im TT

Rohrammer (Emberiza schoeniclus) Zahlreich bei NL und bei OR

Bandammer (Emberiza fucata)
Überraschend sechs Ind. bei KH und ein Ind. bei BE

Schachblume (Fritillaria sp.) Bei SL

Fuchsfingerkraut (Dactylorhiza fuchsii) Oberhalb UT

Knollige Calypso (Calypso bulbosa)

Sibirisches Murmeltier (Marmota sibirica) Vereinzelt bei BE

Rotfuchs (Vulpes vulpes) Ein Ind. in der Steppe bei BE

Sibirischer Grasfrosch (Rana sibirica) Beim Steppensee im TT

Waldeidechse (Zootoca vivipara) Oberhalb UT

Apollo (Parnassius apollo) Oberhalb UT

Bläuling (Lycaenidae)
In grossen Zahlen bei SL an Wasserstellen

 

  • Автор: Michael Schaad
   
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