Botanisch-ornithologisches Feldpraktikum am Baikalsee (von Martin Gülich)

Botanisch-ornithologisches Feldpraktikum  am Baikalsee - Sibirien Faculty: Wild life management - Irkutsk  Martin Gülich 22.08 - 07.09 

 

Das Botanisch-ornithologische Feldpraktikum in Sibirien am Baikalsee begann am 22.08.2011 und endete am 07.09.2011. Während der Exkursion besuchten wir das Sarma Delta, Bolschoje Goloustnoje und den Ausgangsort Irkutsk. Die Sommerschule beinhaltet einen akademischen Teil und einen Sprachkurs.

Am 22.08.2011 trafen sich alle Exkursionsteilnehmer in Irkutsk, um gemeinsam zum ersten Zeltlager zu fahren. Ich startete meine Reise nach Russland schon am 15.08, um schon vorher etwas von dem Land zu sehen. Der erste Halt war Moskau, wo ich einen Schlafplatz bei Ein- heimischen organisieren konnte. Leider war es mir nicht möglich, schon vor der Reise, etwas Russisch zu lernen. Also nutze ich die Zeit während des Flugs um das kyril- lische Alphabet zu erlernen. Ich musste feststellen, dass es nicht möglich ist, sich dieses in 2 Stunden beibrin- gen zu können wenn man durchgehend aus dem Fens- ter sieht. Nach 3 sehr warmen aber sehr schönen Tagen Moskau, zog es mich weiter in den Osten. Ich zahlte umgerechnet 115€ für eine 3. Klassekarte der transsibirischen Eisenbahn mit der ich in den nächsten Tagen 5400km und 5 Zeitzonen Richtung Osten durchfahren würde. Während der Zugfahrt war ich das erste Mal auf mich gestellt und es gab fast niemanden der Deutsch geschweige denn Englisch verstand. Der Kontakt zu den Menschen war Dank des gut

bestückten Wagons nicht zu vermeiden. Auf ungefähr 6-8m2 kam in dem Wagon 6 Personen in 3 doppelbetten. Ich lernte die Russen zu meiner Überraschung wesentlich offener und freundlicher kennen als gedacht. Auch die Vorstellung erst einmal 100g Wodka auf Ex trinken zu müssen, um den nötigen Respekt entgegen gebracht zu bekommen, erwies sich wie ich mir schon fast ge- dacht hatte, als absolut falsch. Nach knapp 4 tägiger Fahrt mit der transsibirischen Eisenbahn von Moskau nach Irkutsk, stieg ich um 3 Uhr morgens aus dem Zug und wurde von Viktor Salovarov, dem Professor für die Ornithologie, freudestrahlend, wie immer, am Bahnhof

empfangen. Die Fahrt vom Bahnhof durch den Regen in das Studentenwohnheim hielt die erste schöne Auto-Erfahrung für mich bereit. Ein kleiner Russischer grauer Bus, mit einem Getriebe das dem Fahrer sein äußerstes an Feingefühl und Erfahrung abverlangte, brachte mich, im zum Fahrer offenen Laderaum, auf einer Holzbank sicher und zügig ans Ziel. Für die erste Nacht war ein klassisches russisches Studentenwohnheim unser Heim. Dort lernten wir uns gegenseitig kennen und vor allem das einfache Leben eines Studenten in Irkutsk leben- den Studenten. Ein Zimmer bot mit vier Betten, zwei Schränken, zwei Stühlen und ein Tisch alles was 4 Studenten dort anscheinend benötigen. Ich schlief, da ich

mit knapp über 2m etwas zu groß für die Betten war auf dem Boden und wusste das ich angekommen bin, als ich den Wind durch die Fensterschlitze Pfeifen hörte und kurz vorher beim Umziehen feststellen musste das alle Wände in diesem Haus einen weißen Staub auf der Kleidung eines jeden, faulen und Bequemlichkeit liebenden Deutsch hinterließen, der es auch nur

ansatzweise wagte sich anzulehnen. Am nächsten Mor- gen trafen die letzten Teilnehmer ein und wir machten uns auf um die Stadt Irkutsk zu besichtigen. Neben dem Eindruck das die Russen noch viel im Bereich der Abfallwirtschaft lernen müssen, gab es eine Menge wunderschöner und kunstvoll verzierter Holzhäuser. Diese versprühten selbst im sehr heruntergekommen zustand einen ganz besonderen Charme. An diesem Nachmittag lernte man sich schnell kennen und tauschte Erfahrungen aus, denn auch viele andere waren vorher auch schon auf eigene Faust in Russland unterwegs. Ich freundete mich schnell mit Julian an. Wir fanden schnell heraus,

dass auch das russische Essen viele neue Erfahrungen für uns bereithalten würde. Unsere erste Entdeckung waren die so genannten Piroschki welche wir dann bevorzugt Teigmoppets nannten. Gegen Nachmittag brachten uns zwei Busse in das 250km und 5 Stunden entfernte Sarma [Сарма] Delta, wo wir in der Nähe, des nur 15 Minuten Fußweg entfernten Dorf, an einem kleinen Flussarm unser erstes Zeltlager aufschlugen. Gleich am ersten Abend lernten wir die Kraft der Sarmawinde kennen. Diese entstehen im Tal des Flusses Sarma, welches du auf dem Bild über diesem Text siehst. Die- se Winde sind in manchen Bereichen so stark das dort keine Bäume wachsen und

man sich im ersten Moment fragt könnte, warum Bäume hier bevorzugt oberhalb der Baumgrenze wachsen.

Das Programm an einem normalen Tag beinhaltet eine ornithologische Exkursion, vor aber manchmal auch nach dem Frühstück. Wenn man nach ca. 2 Stunden zurück ins Zeltlager kommt ist der Tisch schon gedeckt. Jeden Morgen gibt es eine Breivariation wel- che man mit einer Süßen Kondensmilch-Zuckercreme süßt. Außerdem gibt es Brot und Aufschnitt. Nach dem alle ausgiebig und in Ruhe gefrühstückt haben wird Holz gesammelt falls nicht mehr genug für den Tag vor- handen sein sollte. Wenn es dann meist schon richtig warm ist beginnt der Russischunterricht welcher für

Anfänger ausgelegt ist, bei dem wirklich jeder etwas lernt und mitkommt. Nach ungefähr 45-60 Minuten aufgrund von schwerer Aussprache, teils sehr lustigem Unterricht, wird sich für die botanische Exkursion vor- bereitet. Im Sarma Delta gibt es viele verschiedene sehr unterschiedliche Bereiche, welche alle Ziele von den täglichen Exkursionen wurden. Es gab Exkursionen in Wiesen-, Steppen-, Hang- und Küstengebiete. Vor allem im auf den botanischen Exkursionen, erlebte man die

unfassbar große Artenvielfalt in den unterschiedlichen Bereichen. Die ornithologischen Exkursionen führten einen in die entlegeneren Ecken dieses Areals. Es wurden oft die umliegenden Berge und Hänge gewandert und dort Ausschau nach Vögeln gehalten. Nach einem Anstieg, mal durch Busch und Gestrüpp oder auch auf offenen Flächen, bot sich einem jedes Mal ein unglaub- licher Blick über die Region. Von den Hängen aus ließen sich besonders oft Greifvögel beobachten. In unserer Freizeit spielten wir Volleyball, gingen im bis zu 12°C warmen Wasser des Baikalsees schwimmen oder unterhielten uns am Lagerfeuer mit den russischen Studenten

so gut es ging mit ein wenig Russisch Kenntnissen auf unserer Seite und dem teil- weise mageren Englisch auf russischer Seite. So stieg bei mir natürlich die Motivation, Russisch zu lernen und ich machte Fortschritte. Es gab glücklicherweise auch deutsche Studenten mit gu- ten Russischkenntnissen. So konnte auch mal übersetzten werden, wenn es mal

nicht mehr um den normalen Smalltalk ging, sondern um den tiefgründigeren, kulturellen Austausch und das gegenseitige Interesse an Land und Kultur. Für mich war diese Exkursion eine verdammt schöne und vor allem spannende Erfahrung. Ich persönlich werde mich in Zukunft mehr mit Russland beschäftigen. Ich möchte mich als erstes herzlich beim deutschen Akademischen Auslandsdienst bedanken, der mir diese Exkursion und Reise erst ermöglichte. Nicht zu vergessen sind natürlich die Organisatoren Dr. Viktor Salavarov auf russischer Seite und Robert Pudwill auf deutscher Seite welcher uns von Anfang an aufgeschlossenem und sehr hilfsbe- reit zur Seite stand. Außerdem möchte ich mich herzlich bei Dascha Salovarov bedanken. Sie versorgte uns jeden Tag alle mit leckeren russischen Speisen. - Vielen Dank

  • Автор: Martin Gülich
   
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