Bericht über das botanisch-ornithologische Praktikum am Baikalsee (von Jorg und Cristin)

Bericht über das botanisch-ornithologische Praktikum am Baikalsee vom 22.08.2011-07.09.2011

 

Unsere Reise nach Russland begann am 19. August 2011, als wir mit dem Flugzeug über Moskau Scheremetjewo nach Krasnojarsk geflogen sind. Das Wetter war sehr gut und wir sind in Krasnojarsk spazieren gegangen. An der Bushaltestelle haben wir ein russisches Mädchen und einen Jungen getroffen, die den Nationalpark Stolby (Запове́дник «CтолбЫ») besuchen wollten. Wir sind dann zusammen mit ihnen gewandert und fanden den Ausflug sehr schön. Die Felsen des Nationalparks sind ähnlich wie die Berge in der Sächsischen Schweiz, einem Gebirge bei uns Zuhause in Sachsen, Deutschland. Die Streifenhörnchen (бе́лкu) waren sehr zutraulich (дове́рчивый) und haben Sonnenblumenkerne aus unserer Hand gefressen. Abends haben wir in einem Restaurant typische russische Speisen wie Pelmeni (пельме́ни) und Borscht (борщ) gegessen. Am nächsten Tag sind wir mit der Transsibirischen Eisenbahn von Krasnojarsk nach Irkutsk gefahren (insgesamt 17 Stunden). Die Fahrt war sehr interessant, wir haben die schöne Aussicht genießen können und uns mit den Menschen auf Russisch unterhalten. Sie waren sehr freundlich und wollten wissen, was wir uns in Russland anschauen möchten. Wir haben ihnen erzählt, dass wir Studenten sind und ein Praktikum am Baikalsee machen und dabei Vögel und Pflanzen beobachten werden. 

Am 22. 08.2011 sind wir dann im Studentenwohnheim in Irkutsk angekommen und haben die anderen Teilnehmer kennen gelernt. Wir haben verschiedene Sachen für die Reise eingekauft und die Sehenswürdigkeiten von Irkutsk besichtigt: unsere Sprachlehrerin Dascha zeigte uns die Kirchen im russisch-orthodoxen Baustil, die Denkmäler Lenins und die traditionellen Häuser aus Holz. Dies war alles sehr beeindruckend. Leider war die Stadt aber auch sehr verschmutzt, die Häuser baufällig, die Industrieanlagen vom älteren Bautyp, sodass der Eindruck entstand, dass das Bewusstsein für Umweltschutz in Russland nicht weit entwickelt zu sein scheint. Geprägt von diesem ersten Eindruck, wurde uns bei der Ankunft in Sarma, unserem ersten Aufenthaltsort am Fuße des Deltas des Baikalsees, ein komplett anderes Bild Russlands bewusst. Die Natur in dieser Gegend war noch nahezu komplett unberührt vom Menschen und so natürlich bestens geeignet für unser Vorhaben, die Flora und Fauna des Baikalsees zu erforschen. 
Am ersten Tag bauten wir unser Zeltlager auf, klärten Organisatorisches zum Ablauf des Praktikums und wurden mit den ornithologischen und botanischen Erfassungsmethoden vertraut gemacht. Es wurden Netze für den Vogelfang aufgestellt und auch die erste Wanderung in die Umgebung unternommen. Viktor Salovarov betreute uns im Bereich der Ornithologie und Oksana Winkovskaja war unser Ansprechpartner für alle Fragen im Fachgebiet der Botanik. So erfuhren wir, dass die Vielfalt der Pflanzenarten auf die polydominante Wuchsform der Vegetationen zurückführen ist, d.h., dass die Pflanzen relativ klein sind und es viele verschiedene Arten auf engstem Raum gibt. An einem Tag haben wir deshalb nahezu einhundert Pflanzen bestimmt. Die ornithologischen Exkursionen führten wir entlang des Deltas, im Steppengebiet und an Berghängen durch und erfassten somit die Gesamtheit der Lebensräume der Vögel. Die am meisten verbreiteten Vogelarten waren die Mongolische Weißkopfmöwe, die Gebirgs- und Bachstelze sowie der schwarze Milan. Einen weiteren Höhepunkt des Praktikums stellte die Besichtigung einer Fledermaushöhle dar, in welcher wir nicht nur die Höhlenzeichnungen bewundern konnten, sondern die Fledermäuse auch selbst mit fangen durften und bei den „Untersuchungen“ der Tiere hautnah dabei waren.
Im Russischunterricht für Anfänger haben wir das Sprechen geübt, wichtige grammatische Regeln wiederholt und das Märchen „Die Rübe“ («Pе́пкa») aufgeführt. In unserer Freizeit waren wir oft im Baikalsee baden, haben Volleyball, Skat oder Frisbee gespielt oder Holz für das Lagerfeuer gesammelt. Die Abende verbrachten wir meistens am Lagerfeuer, wo oft traditionelle russische oder deutsche Lieder gesungen haben und natürlich durfte der Wodka nicht fehlen.
Die Tage in Bolschoe Goloustnoje, unserer zweiten Station des Praktikums, verliefen analog denen in Sarma, nur, dass das Wetter etwas schlechter war und wir somit nicht alle Exkursionen wie geplant durchführen konnten. Sehr gefreut haben wir uns alle über die ба́ня im Zentrum des Ortes, wo wir alle ein warmes Bad nehmen konnten. Hier haben wir auch erstmals frisch gefangenen Fisch, den Omul («Байка́льский о́муль «) gegessen. 
Zusammenfassend waren wir mit dem Praktikum sehr zufrieden. Wir waren eine sehr gute Truppe, hatten viel Spaß gehabt und haben Wissenswertes über die Region des Baikalsees gelernt. Russland haben wir als ein faszinierendes Land erlebt, das von starken Gegensätzen geprägt ist. Diese Erlebnisse und die Freundlichkeit der Menschen werden uns in guter Erinnerung bleiben und wir hoffen, dass noch viele Studenten die Möglichkeit haben werden, einen Austausch wie diesen mitzuerleben.

  • Автор: Jörg und Christin
   
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