Bericht über das ornithologisch-botanische Feldpraktikum (von Lucia Mirjam Vachek)

Bericht über das ornithologisch-botanische Feldpraktikum am Baikalsee Von Lucia Mirjam Vachek

 

Zunächst möchte ich mich in meinem Bericht positiv über das vom DAAD vergebene

Stipendium äußern, das mir die Reise möglich gemacht hat. Obwohl die fachlichen Schwerpunkte der  Sommerschule nicht in mein Fachgebiet der Europäischen Literaturen mit Schwerpunkt russische Literatur fallen, konnte ich meine Fähigkeiten im Bereich der russischen Sprache erweitern und einen interessanten Einblick in fremde Wissensgebiete erlangen. 
In der ersten Woche der Sommerschule schlugen wir unser Lager an der Sarmamündung auf und unternahmen Exkursionen in die nähere Umgebung, die Tažeransteppe, die Sarmaschlucht und einen Berg. Auch eine Höhle besichtigten wir, wobei der Ab- und Aufstieg ziemlich abenteuerlich war. In der Höhle gab es viele Stalagtiten in Quallen- und Haselnussform, sowie einen balkonartigen Durchgang aus grauem Marmor zu bewundern. Dank der Hilfe der uns führenden russischen Geologiestudenten kamen wir sicher durch die Höhle und ans Tageslicht zurück. Im Anschluss hielt ein Geologe eine Vorlesung über die Plattenbrüche, Plattenverschiebungen und Absenkungen, die zur Entstehung der verschiedenen Becken des Baikals, der Gebirgszüge längs des Sees und der Insel Olchon geführt haben. 
Besonders schön war die Wanderung durch die Sarmaschlucht, bei der wir am Eingang eine Vorlesunng von Oksana Petrovna zur kulturellen Bedeutung des Ortes und den verschiedenen vorkommenden Pflanzen hörten. Besonderes Interesse rief dabei die Ephedra (Meerträubel) hervor, eine

kleine Pflanze, deren Zapfen Ephedrin enthält. Am Ende der Wanderung, die am klaren Bergbach durch den Wald und über einen schmalen Grad führte, kamen wir an den Granatberg und bestaunten gemeinsam mit den Geologinnen die Vielfalt der Steinformationen.
An einem sonnigen Tag stellten wir Vogelfangnetze auf und wurden von Viktor Olegovič über verschiedene Fang- und Forschungsmethoden der Ornithologen unterrichtet. Weil der Herbst in diesem Jahr etwas früher als gewöhnlich begann, waren unsere Vogelexpeditionen – nach Auskunft Viktor Olegovičs – von geringerem Erfolg als in den vergangenen Jahren, weil viele der Zugvögel schon vor uns weggeflogen waren. Allerdings gelang es uns auf einigen Expeditionen auch Zwergadler, Kaiseradler, Spechte und viele andere Vögel zu beobachten. 
Am Nachmittag desselben Tages hielt Oksana Petrovna eine Vorlesung über die verschiedenen Wiesenarten, Wiesenvegetationen und über die richtige Wiesenpflege. Diese Vorlesung fand ich besonders interessant, da an ihr die landschaftsprägende Bedeutung des Menschen deutlich wurde und wir verschiedene Pflanzen kennenlernten, die als Indikatoren für Eislinsen unter dem Boden oder für Überweisung dienen. 
In Sarma hatten wir zwei Regentage, an denen wir keine Exkursionen unternahmen, sondern Vorträge von verschiedenen Studenten hörten. Friedemann referierte über die Frage, ob es in Russland zu einer Nationalbewegung mit ähnlichen Voraussetzungen wie im westlichen Europa

kam. Von Sebastian und Maria, die uns auf dem Rückweg von einer Sommerschule in Jakutsk kurz besuchten, hörten wir einen Vortrag über Jakutien und die jakutische Kultur. Am vorletzten Tag vor unserer Abfahrt nach Bol’šoe Goloustnoe musste Evgenija, unsere Übersetzerin und Russischlehrerin, nach Irkutsk fahren, um einige Unterlagen abzugeben. In der Zeit ihrer Abwesenheit fiel mir die Übersetzung unserer Vorlesungen und allgemeiner Informationen zu, wodurch ich Gelegenheit hatte, in diesem Bereich Erfahrungen zu sammeln und viele neue Wörter wie Beifuß, Auenwälder oder Nitrit im russischen zu erlernen.
Abends saßen wir gemeinsam am Lagerfeuer, sangen Lieder und unterhielten uns. Am letzten Tag in Sarma lernten wir den Sarmawind in Kombination mit Regen kennen – eine Sehenswürdigkeit der besonderen Art.
Die zweite Woche der Sommerschule verbrachten wir in Bol’šoe Goloustnoe, wo wir viel Glück mit dem Wetter hatten, sodass wir alle Exkursionen wie geplant durchführen und uns in der Freizeit sogar sonnen konnten. Am ersten Tag nach unserer Ankunft im neuen Lager gingen wir alle in die Banja und hatten einen ruhigen Tag. Die russische Banja führte bei allen zu strahlenden Gesichtern un

d glänzender Laune. Endlich richtig sauber!!
Auf einer Bergexkursion schauten wir uns zunächst die verschiedenen sibirischen Baumarten an und lernten die Bergenia crassifolia kennen, eine Pflanze, die in ihrer medizinischen Verwendung besonders vielfältig ist. Die bereits natürlich fermentierten Blätter des Vorjahres können als Tee getrunken, die frischen Blätter als Abführmittel benutzt werden, während die Wurzelrhizome als Antidurchfallmittel wirken. Nachdem wir den Waldpfad verlassen und den ziemlich steilen Aufstieg zum Gipfel hinter uns hatten, erfuhren wir viel über das Leben der Greifvögel, einige von ihnen beobachteten wir auch bei der Jagd. 
Eines Tages führte uns Oksana Petrovna ein kleines Stück in den Wald bei unserem Lager hinein, wo sie eine  seltene Pflanze entdeckt hatte. Nachdem sie die Pflanze nur mü

hsam vor unseren Füßen in Schutz genommen hatte, zeigte sie uns die zunächst unscheinbare Orchideenart, die wir allein bestimmt nicht bemerkt hätten. Ihre Besonderheit besteht darin, dass sie in Symbiose mit einem Pilz und der sibirischen Lärche lebt und über diese Lebensgemeinschaft vom Pilz mit mieralhaltigem Wasser und von der Lärche mit Energie versorgt wird, sodass sich im Laufe der Evolution die Chlorophyllproduktion eingestellt hat und sich ihre Blätter zurückgebildet haben. Während des täglichen Russischunterrichtes beschäftigte ich mich mit der Wiederholung von den auf der Reise gelernten Vokabeln oder unterhielt mich mit den russischen Studenten. 
Abschließend möchte ich festhalten, dass mir die Sommerschule am Baikalsee sehr gefallen hat. Ich möchte ein Lob an unsere Exkursionsleiter aussprechen, die uns bestens mit allem Notwendigen versorgt, interessante Exkursionen organisiert und lehrreiche Vorlesungen vorbereitet haben. Jeden Tag schaffte es Daša uns eine andere Suppenkombination zuzubereiten und einmal gab es sogar frischen, am Lagerfeuer gebratenen Omul’! Als Russischlernende hat mir der Aufenthalt sehr geholfen, meine Sprachkenntnisse zu erhalten und um fachfremde Lexik zu erweitern. In den Gesprächen mit den russischen Lehrenden und Studierenden konnte ich viel Interessantes über den russischen Wissenschaftsbetrieb und russische Nationalparks lernen.

  • Автор: Lucia Mirjam Vachek
   
© Институт управления природными русурсами