Erfahrungsbericht Sommerschule Baikal 2013 (von Carina van Weelden)

Im Nachhinein habe ich das Gefuehl, meine russische Sommerschule began bereits am Muenchner Fluhafen: Gerade noch wurden blau-weiss karierte Tischdecken und Lederhosen an die Touristen neben mir verkauft, schon begruessten mich die huebschen Stuardessen der Sibierian Airline mit einem Schwall an unverstaendlichem Russisch – welcome to Russia! Nun konnte das Abenteuer beginne

Nach kurzem Aufenthalt in Moskau wurde ich mit einem kleinem Grueppchen deutscher Studenten vom herzlichen Team der IrkutzkerAkademie am dortigen Flughafen empfangen. In einem alten Bus ging es ueber die vollen Strassen Irkutsks zu den Wohnheimen der russischen Studenten, wo wir in ihrer Abewenheit (es waren ja noch Sommerferien) fuer eine Nacht untergebracht waren. Den Tag verbrachten wir mit einem gemuetlichem Stadtrundgang, bei dem wir die reichlich verzierten Holzhaeuser bestaunten, die fuer Irkutsk wie fuer ganz Sibirien so typisch sind, den Fluss Angara sahen, der den einzige Abfluss des Baikal Sees bildet, und von den goldenen Kuppeln der orthodoxen Kirchen geblendet wurden. Hier kostetn wir auch unsere erste Russische Mahlzeit in einem kleinen Kafe, genossen russisches Bier und zum Nachtisch Tee mit herrlich suessen Waffeln.

So gut umsorgt brachen wir voller Energie auf in Richtung Suedosten zu dem kleinen Ort Sarma am Ufer des Baikalsees. Als wir nach einer holprigen Fahrt ueber die Schlagloch-ueberzogenen Bergstrassen bei unserem Feldlager ankamen, wartete bereits eine lange Tafel unter einem bunten Zelt am Rande einer grossen Wiese auf uns. Direkt daneben schlaengelte sich ein Bach, der von Weiden und Gebuesch gesaeumt war, Richtung Baikal. Im Windschatten der Baeume stellten wir unsere Zelte auf, denn der beruechtigte Sarma Wind, der aus der naheliegenden Schlucht hervohrdrang, war beruechtigt. Bald erkudeten wir das naheliegende Plumsklo in einer Holzhuette und probierten ein Fussbad im eisig kalten Wasser des Sarma Fluessleins. Waehrend des ganzen Feldpraktikums wurden wir ausgiebig bekocht mit einer Vielzahl an Eintoepfen, Salaten, und dem typisch

Russischem Getreidebrei “Kascha“. Natuerlich durften zu keiner Mahlzeit - selbst zum Fruehstueck - Mayonaise, Ketchup, suesse Dosenmilch und Knoblauch nicht fehlen, woran wir Studenten uns je nach Geschmack reichlich bedienten. So wie diese Spezialitaeten sollten uns der Geruch des Lagerfeuers, der sich in unserer Kleidung und Haaren, ja sogar in unserem Essen und dem abgekochten Trinkwasser hartnaeckig festhielt, die gesammten zwei Wochen nicht mehr loslassen.

Die kommende Woche verbrachten wir mit verschiedenen Exkursionen, an denen wir die Wunder des Baikal, vor allem seine Voegel- und Pflanzenwelt kennenlerntet. Dazu gehoerten frueh morgentliche Spaziergaenge zur Vogelbeobachtung, zu denen ein Fernglas unbedingt notwendig ist, Pflanzenbestimmung auf den naheliegenden Wiesen, Bergbesteigungen, ein Besuch der einzigartigen Salzseen in der Tascheransteppe, Bewanderung der Sarma Schlucht, eine Fahrt zu einer ruhigen Bucht des Baikal Sees und natuerlich ausgiebiges Baden in jeglichen, jedoch alles sehr kalten Gewaessern Sibiriens. Zwischendurch lernten wir ueber die geomorphologosche Geschichte der Baikal Region, seinen heutigen Zustand und die Herausforderungen fuer die National Park Verwaltung. Ausserdem wurden wir in die Grundlagen des ornithologischen und botanischen Protokollschreibens eingewisen, so dass wir nach jeder spannenden Exkursion abends gemeinsam die gesehenen Pflanzen und Voegel fachkundig notieren konnten. Natuerlich bekamen wir auch fast taeglich Sprachunterricht auf verschiedenen Niveaus, so dass wir beim abendlichen Lagerfeuer erste Gespraeche fuehren oder mit Hilfe von Zeichensprache und ein paar Schalgwoertern waehrend der Wanderungen einiges von einander lernen konnte.

Ausser den fachlichen Herausforderungen, hatten einige Teilnehmer allerdinsg  noch mit weiteren Unbekannten zu kaempfen, denn reihum wurden wir deutschen Studenten krank, bis schliesslich auch die russichen Teilnehmer betroffen waren. Obwohl das Flusswasser abgekocht wurde, kam wohl niemand um Bauchschmerzen und ungewollt ofte Plumsklobesuche herum. Manche bekamen auch Fieber oder eine Erkaeltung durch die winterlich kalten Naechte. Eigene Medizin gegen standard Reiseerkrankungen ist deshalb unbedingt anzuraten. Wer auf Nummer sicher gehen moechte, sollte von Anfang an Trinkwasser in einem der kleinen Laeden des naheliegenden Dorfes kaufen und darauf achten, sein eigenes Geschirr und Besteck immer bei sich zu behalten.

Doch die Teilnehmer unterstuetzten sich nicht nur in solchen Situationen gegenseitig, besonders das russiche Team, von dem man stuendlich nach dem Befinden gefragt wurde und im Notfall der Arztbesuch in Aussicht gestellt wurde. Doch nach einigen Stunden Zeltruhe, einer warmen Waermflasche und einer russischen Keksdiaet ging es den meissten wieder besser, so dass man das sonnige Wetter und den frischen Seewind wieder voll und ganz geniessen konnte.

Viel zu schnell war unsere Zeit in Sarma schon vorbei, so dass wir unser Lager abbauten und unsere zweite Bestimmung ansteurten. Etwas noerdlich von Irkutsk im bekannteren Oertchen Bolschoje Goloustnoje, diesmal dirket am Baikalsee, sollten wir die letzte Woche verbringen. Dort fuehlten wir uns schliesslich richtig russisch schwitzend in der Banja, der traditionellen sibierischen Sauna, und suchten Abkuehlung im glasklaren Baikal See. Wiederum lernten wir die oertliche Vegetation kennen und beobachteten die Voegel der Waelder und Ufer. Einen Ueberblick ueber die Region gewannen wir nicht nur durch die informativen Vortraege der Irkutsker Lektoren, sondern auch durch einen Gipfelaufstieg auf einen Berg am Rande des Baikal. Das Delta des Goloustnaja Flusses wurde ebenfalls erkundet, wobei auch eine Besichtigung des Dorfes nicht fehlte.

Mir blieb besonders positiv in Erinnerung, dass waehrend des gesammten Feldpraktikums alle Fragen und Wuensche der Teilnehmer immer beachtet, ausreichende beantwortet und das Programm dementsprechend angepasst wurde. Beispielsweise konnte sich die Gruppe in zwei Teams aufteilen, so dass jeder seinen Interessen, Botanik oder Ornithonoligie, nachgehen konnte. Auch wurden wir ueberschwaenglich umsorgt, so dass uns das Essen bis auf den Berggipfel hinterhergetragen und uns individueller Chaufferservice zu Flughafen und Bahnhof zur Verfuegung gestellt wurde. Alles in allem war die Kombination aus fachlichem Programm, Freizeit und Kulturveranstaltungen gut abgestimmt, so dass wir mit Spass und Energie viel gelernt und neue Freundschaften geschlossen haben. Vielen Dank fuer die wunderbare Zeit am Baikal See und die tollen Erinnerungen an eine einzigartige Zeit in Sibirien! Hoffentlich koennen andere deustche Stduenten noch viele Jahre von solch einer schoenen Sommerschule profitieren.

  • Автор: Carina van Weelden
   
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