Erfahrungsbericht Sommerschule - 2015 von David Mall


IMG 2944 renamed 27614Erfahrungsbericht Sommerschule – „Botanisch-ornithologisches Feldpraktikum am Baikalsee/Sibirien" 22.08.-07.09.2015

1. Anreise mit der Transsibirischen Eisenbahn Moskau - Irkutsk (18.08.-22.08.15)
Diesen Sommer hatte ich die Möglichkeit den Baikal und seine Umgebung im Rahmen eines botanisch-ornithologischen Feldpraktikums kennenzulernen. Bereits in Frankfurt traf ich auf Leonie und in Moskau auf Simone und Steini. Zu viert, in einem kleinen, gemütlichen Abteil, fuhren wir insgesamt ca. 85 Stunden mit der Eisenbahn von Moskau nach Irkutsk. Auf den ungefähr 5200 Kilometern Zugfahrt bekamen wir ein Gespür für die Weite und Schönheit Russlands. Unter anderem konnten wir noch im europäischen Teil Russlands einen Elch neben der Strecke erblicken. Das auf das Wohl seiner Fahrgäste bedachte Zugpersonal und die tolle Gruppe haben dazu beigetragen, dass die Zugfahrt zu einem unvergesslichen Erlebnis wurde. Das Gefühl der Zeit ging während der Fahrt verloren. Parallel zu den tausend Impressionen machte es Platz, für eine unglaublich entspannte Zeitlosigkeit.
2. Irkutsk
In Irkutsk angekommen (7:30Uhr morgens) wurden wir zum Studentenwohnheim gebracht, wo wir auf die anderen Studenten aus Deutschland gestoßen sind. Noch am selben Tag haben wir uns mit unserem künftigen Übersetzer das Stadtzentrum angeschaut. Irkutsk ist mit seinem Angaraufer, sowie den Sowjet- und Zarendenkmälern eine wunderbare Stadt. Neben moderner Architektur stehen fein verzierte alte Holzhäuser. Platz ist in Russland mehr als genug vorhanden. Alte, unbenutzte Gebäude/Häuser werden häufig dem natürlichen Verfall überlassen. Sie sind ein Motiv der Weite Russlands, das uns bereits auf der Zugfahrt regelmäßig begegnet ist und auch in Irkutsk anzutreffen war.
3. Sarma
Unser erstes Zeltlager schlugen wir im Delta des Flusses Sarma,neben dem gleichnamigen 70-Seelen-Burjatendorf, auf.Sehr interessant fand ich die Tatsache, dass dieses Dorf seit 2009 an Elektrizität angeschlossen ist. Leider war gerade in diesem Jahr das Wetter sehr heiß und trocken und sorgte für viele Waldbrände rund um den Baikal. Das führte dazu, dass die Luft insgesamt stark durch den Rauch belastet war und die Sonne meist nur als rote Scheibe sichtbar war. So konnten wir die meiste Zeit von der schönen Landschaft nur eingeschränkt etwas wahrnehmen. In der letzten Nacht an diesem Ort, sorgte Regen glücklicherweise dafür, dass wir doch noch auch bei klarer Sicht einen Ausflug machen konnten. Das Sarmadelta ist aufgrund seiner Lage und dank eines hohen Nahrungsangebots ein Rastplatz für viele Zugvögel. Die Exkursionen in und um das Delta brachten uns dieser Region nicht nur auf botanischer und ornithologischer Ebene näher.
4. BolschojeGoloustnoje
Die zweite Hälfte der Sommerschule schlugen wir unser Lager in der Nähe des DorfesBolschojeGoloustnoje auf. BolschojeGoloustnoje bedeutet so viel wie „große Flussmündung" und war früher eine wichtige Station der Handelsroute über den zugefrorenen Baikal nach China und in die Mongolei.Die Luft war in dieser Region durchgängig klar und frei von Rauch. Besonders profitieren konnten wir davon, bei den Exkursionen vom Lager aus, auf zwei Aussichtsberge.
5. Exkursionen
Botanik – Die Botanik Exkursionen bestanden nicht allein aus Pflanzensammeln und bestimmen. Sie standen immer im Zusammenhang mit einem Vortrag über den entsprechenden Lebensraum. Was macht diesen aus und welche Pflanzen haben sich besonders gut angepasst.Chamaerhodosaltaica ist z.B. eine ausdauernde Pflanze aus der Familie der Rosaceae, die mit ihrer gedrungen Kissenform und mit tiefverankerter Pfahlwurzel sehr gut an ein raues Klima und kargen Untergrund angepasst ist. Ungewohnt ist auch die Häufigkeit, in der man verschiedene Edelweißarten auf denSteppenwiesen antreffen kann. Wenn man sich daran erinnert, dass es sich beim Baikalsee um einen Bergsee/meer handelt und bei den Steppen darum um Bergsteppen dann kann man diese Häufigkeit besser verstehen.
Ornithologie – Hier gab es zu Beginn eine Einführung in die Art und Weise der ornithologischen Feldforschung in Russland im Vergleich mit derjenigen in Deutschland. Auf den Exkursionen ging es dann darum, möglichst viele Arten zu entdecken, zu bestimmen und die Artenkenntnisse im Verlauf des Praktikums mit Hilfe von Wettkämpfen und Spielen zu verbessern.
6. Die Dozenten
Die sehr erfahrenen Dozenten Viktor Olegewitsch (Ornithologie) und Oksana Petrowna (Botanik und vieles mehr) konnten uns die gewählten Inhalte dank einer klaren Übersetzung durch Niko (21 Linguist) sehr gut vermitteln. Fragen wurden immer nach Möglichkeit beantwortet. Sehr oft konnte man dadurch spannende Zusatzinformationen erhalten. Besonders die geschichtliche Kenntnis und das Detailwissen, der größeren Zusammenhänge um die Botanik der Baikalregion, haben mich bei Oksana Petrowna beeindruckt.
7. Freizeit
Die Freizeit nach den Exkursionen und zwischendurch war durch Ausruhen, Baden im Baikal, Spielen und Tagebuchschreiben geprägt. Abends saßen wir am Lagerfeuer und vor allem haben die heiß umkämpften Uno-Partien für viel Spaß zusammen mit den russischen Studenten gesorgt. Auch der Besuch einer russischen Sauna, Banja, war ein tolles Erlebnis.
8. Versorgung
Zum Essen gab es morgens Getreidebrei, Brot, Käse Wurst und anderes. Mittags und abends gab es einen Gemüseeintopf mit Fleisch, dazu Salat und Brot. Die Konsistenz war zwar durchgängig ähnlich, Dascha, Viktors Frau, schaffte es aber, dass es niemals langweilig schmeckte und genug Abwechslung vorhanden war. Es gab immer Nachtisch, Wassermelone oder Kekse. Einmal gab es panierten Omul, dieser Fisch aus dem Baikal hat besonders lecker geschmeckt.
9. Allgemein
Insgesamt kann ich sagen, dass ich,über die Baikal-Region und Russland allgemein, sehr viel gelernt habe. Auch meine Russischkenntnisse konnte ich verbessern und im Gespräch üben. Das gibt mir Lust in Zukunft weiter an dieser Sprache zu arbeiten.
Die fachlichen Inhalte waren zu jeder Zeit interessant und lehrreich. Bei beiden Teilen des Praktikums (Botanik/Ornithologie) war besonders ein scharfes Auge aber auch der Tast-und Geruchssinn bzw. das Gehör gefordert. Dazu kommt, dass wir gemerkt haben, wie wichtig für die Verständigung, das Lernen der wissenschaftlichen Namen und Fachausdrücke ist.
In dieser Umgebung und in dieser Gruppe, in der man bei jedem den Respekt und die Faszination für die Natur sehen konnte, hat das Praktikum sehr viel Freude bereitet.
Vielen Dank an den DAAD für die Unterstützung und an Viktor für die super Organisation des Praktikums. Ich kann mir gut vorstellen, nach meinem Bachelor oder Master, wieder an den Baikalsee zu kommen.

David Mall

   
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